Aufgebrachte Bergarbeiter haben sich in der bolivianischen Hauptstadt La Paz Kämpfe mit der Polizei geliefert. Dutzende Menschen wurden dabei verletzt, die Polizei setzte mehr als 1.200 Beamte und Tränengas gegen die Demonstranten ein. Das berichtet der lateinamerikanische Fernsehsender teleSUR.

Die rund 5.200 Bergarbeiter hatten am Mittwoch aus Protest gegen den sozialistischen Präsidenten Evo Morales Straßen blockiert. Sie werfen ihm vor, eine "neoliberale Agenda" voranzutreiben und fordern höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Außerdem demonstrieren sie gegen die Änderung eines Bergbau-Gesetzes.

Die bolivianische Regierung reagiert mit auf die Proteste und bezeichnet sie als "ernsthafte Verbrechen". Tausende Kumpel seien "schwer bewaffnet" und würden verschiedene Straßen im ganzen Land blockieren. Nach Angaben eines Regierungsvertreters haben sich die schwersten Zwischenfälle am Mittwoch ereignet, als Demonstranten Polizisten gefangengenommen und geschlagen hätten. Er beschuldigte die Kumpel, öffentliches Eigentum zu zerstören, Polizeiautos zu demolieren und Menschen zu entführen.

Der Vizepräsident der Nationalen Vereinigung der Minengenossenschaft, Frederico Escobar, hat die Regierung gebeten, sich auf gemeinsame Gespräche mit den Demonstranten einzulassen. Diese würden die Politiker "für alles, was passiert, verantwortlich machen, wenn es keine Vermittlung gibt". Die Bergarbeiter wollen nicht aufhören, die Straßen zu blockieren, bis die Regierung sich zum Dialog bereit erklärt.

Der bolivianische Präsident Evo Morales steht seit längerem in der Kritik. Im Februar wollte er sich mit einer Verfassungsänderung ab 2019 eine weitere Amtszeit sichern. Während seiner Präsidentschaft wuchs die Wirtschaft des Landes im Schnitt um 4,9 Prozent, vor allem wegen der Einnahmen aus dem verstaatlichten Gasgeschäft. Kritiker werfen Morales und seiner Partei "Bewegung zum Sozialismus" hingegen autoritärer Tendenzen vor. Morales war 2006 als erster indigener Politiker an die Spitze des Andenstaats gewählt worden. Er wurde bereits zweimal im Amt bestätigt.