Bilder sagen mehr als tausend Worte? Manchmal sagen sie aber vielleicht auch weniger oder sogar zu wenig. Wie die Deutsche Welle berichtet, wehrt sich die Stadtverwaltung von Nizza gegen die Berichterstattung zu Fotos, die Polizisten bei der Umsetzung des dortigen Burkiniverbots zeigten.

Die Fotos, gegen deren Interpretation sich die Stadtverwaltung nun wendet, waren in den vergangenen Tagen um die ganze Welt gegangen. Sie zeigen eine Frau mit Bluse, langer Hose und einem Kopftuch. Zu sehen waren außerdem vier französische Polizisten, die um die Frau herumstehen. Die Frau zieht auf weiteren Fotos ihre lange Kleidung aus. In sozialen Netzwerken und von zahlreichen Medien wurden die Fotos verbreitet. Sie hatten Empörung gegen das von Nizza erlassene Burkiniverbot und viel Solidarität ausgelöst. Auch ZEIT ONLINE hatte über den Vorfall berichtet. Am Freitag wurde das Verbot vom obersten Verwaltungsgericht für nicht zulässig erklärt worden.

Wurde die Frau wirklich gezwungen?

Die meisten Menschen interpretierten die Fotos so, als hätten die Polizisten die Frau gezwungen, das Burkiniverbot einzuhalten. Laut dem Bericht der Deutschen Welle könnte sich die Situation aber auch ganz anders zugetragen haben: "Die Frau wollte zeigen, dass sie einen Badeanzug trägt – aber keiner hat sie dazu gezwungen, ihr Oberteil auszuziehen", zitiert die Deutsche Welle Erwann Le Hô, den Sprecher der Stadt Nizza.

Die Polizisten hätten ihr gesagt, dass sie nur ohne die Tunika am Strand bleiben dürfe, sagte der Stadtsprecher. "Aber sie hat sie wieder angezogen. Also musste sie eine Strafe von 38 Euro zahlen. Kurze Zeit später hat sie den Strand verlassen – friedlich."

Zitiert wird in dem Bericht außerdem ein Sprecher der Polizei, der diese Schilderung unterstützt: "Bei einem einfachen Erlass dürfen wir Menschen gar nicht zu irgendetwas zwingen – außer, um die Identität von jemandem zu kontrollieren. Sie hat das Oberteil aus freien Stücken ausgezogen." Da der Name der Frau bis heute nicht bekannt ist, kann diese Version nicht überprüft werden. Anlass der umstrittenen Situation aber bleibt das viel diskutiert Verbot, das auf das Tragen von Burkinis abzielte.