Diesen Leitfaden hat er, das muss man ihm lassen, auch hier nicht nur befolgt, sondern kreativ ausgebaut.

Nehmen wir die inkriminierten Zitate: Sie sind ausnahmslos aus dem Zusammenhang gerissen und im Sinn verdreht. Teilweise sind es nicht einmal  Zitate des Kolumnisten, sondern solche dritter Personen, die dieser persifliert hatte. Selbst der Angeklagten Beate Zschäpe eilt Zastrow – an überraschender Stelle ganz Kavalier – zu Hilfe. Er vergisst hinzuzufügen, dass der Inhalt der ganzen Kolumne, aus welcher er lediglich einen matten Halbsatz über das "Mondgesicht" zitiert, nichts anderes war als die Verteidigung eben dieser Angeklagten gegen den Voyeurismus und die Vor-Verurteilung der außer Rand und Band geratenen Medien – auch der FAZ. "Haltet den Dieb!", ruft der Hund, die höchstpersönlich gestohlene Wurst quer im Maul.

Nehmen wir den Sachverstand: Vom Revisionsrecht lässt sich der Journalist mit Geschichtsstudium nicht abschrecken. "Bestürzend unzulänglich" findet er die Richtertätigkeit des Verhassten. Irgendetwas, was dem Vorwurf auch nur den Schein von Kompetenz verleihen könnte, ist ihm auf die Schnelle nicht eingefallen.

Nehmen wir die Stimmigkeit der Verdammungen des Kolumnisten: Innerhalb weniger Zeilen legt Zastrow einerseits dar, der ihm Kritisierte pflege einen "feigen Stil", der den Angegriffenen nicht erkennen lasse, und andererseits, er verbreite Hohn notorisch ad personam.

Und nehmen wir schließlich die vom Fischer im Recht erwähnten "Silikonbrüste". In einer entschlossenen Aufwallung von Humor dichtet Zastrow diese Inkorporationen mitten in den Richter hinein, den er niederzuschmettern sucht. Nun ist es mit der Silikonbrust allerdings so eine Sache. Seit Russ Meyer sprach: "Alle meine Schauspielerinnen haben zwei Dinge gemeinsam", versinkt die Welt in Implantaten, von denen 99 Prozent gerade nicht der Rekonstruktion nach karzinombedingter Amputation, sondern der Erhöhung des sexuellen Grunderregungspotenzials Mama-fixierter Männer dienen. Anständige Journalisten lassen sich spätestens nach dem zweiten Bier keinen Holz-vor-der-Hütte-Witz entgehen, verachten aber pflichtgemäß einen Bauunternehmer aus Wien, der Pamela Anderson für hunderttausend Dollar zum Opernball führt. In Wahrheit ziehen sie eine Triefspur der Sehnsucht hinter Kim Kardashian her wie mein Mastiff hinter dem Nassfutter.

Anders gesagt: Das Model Gina-Lisa Lohfink als eine "Frau mit dicken Silikonbrüsten" zu bezeichnen heißt, wenn Sprache noch einen Sinn haben soll, Holz in den Wald tragen. Und dass das Präsentieren ihrer sekundären Geschlechtsmerkmale in den vergangenen Jahren die hauptsächliche berufliche Tätigkeit von Frau L. gewesen ist, dürfte ja nun wirklich jeder Einfaltspinsel den zahllosen Selbst- und Fremddarstellungen der Figur der Zeitgeschichte entnehmen: "Viel zu sehen für die TV-Gebühr. Gina-Lisa Lohfink drehte gestern beim Marienhof und zeigte ihre frisch gemachten XXL-Brüste", meldete eine große deutsche Tageszeitung.

"Die Spielerinnen rennen aufs Feld. Ihre knappen Höschen enden haarscharf an der Schamhaargrenze. Ihre Bustiers werden von überdimensionalen Silikonbrüsten gesprengt."

Mit diesen erregenden Worten geißelte Emma, Fachzeitschrift für Sexualstrafrecht und Zentralorgan des Gina-Lisa-Teams, den "neuesten Trend", den sie humorvoll "Sporno" nennt. Sie meinte damit so perverse Dinge wie Beachvolleyball und Frauen-Football. "Es überrascht kaum, wenn zahlreiche Spielerinnen (…) aus der Pornobranche kommen." Dies, liebe Leserinnen, ist der Geist der Freiheit, den Sie Arm in Arm mit Emma und Herrn Zastrow gegen den Kolumnisten verteidigen sollen!

Zurück zur Mutter des guten Geschmacks, zurück zur FAZ. Irgendetwas an der Raserei der Zeitung gegen den Kolumnisten erscheint selbst dem gutmütig  kolumnenkritischen Leser irgendwie fehlgesteuert, oder dürfen wir sagen: grenzwertig. Zunächst könnte man denken, es sei dieser etwas alberne, wenn auch offenkundige Wille zur größtmöglichen Beschädigung, der ja auch schon die Vorgängerstücke der Autoren Brubowski und Kohler kennzeichnete – dieses Japsende, Sich-Überschlagende. Andererseits ist das aber schon fast normal in einer Medienlandschaft, über deren Degeneration zum Maschinenpark der Güllezerstäuber die Frankfurter Allgemeine Zeitung sich sonst so bigott zu entrüsten vermag wie keine zweite.