Das, verehrte Tischtennisfreunde, wäre wirklich Wahnsinn! Oder eine kollektive LSD-Erfahrung. Schauen Sie dazu an: Puccini, Madame Butterfly, "Un bel di vedremo", Maria Callas in: Wacken. Der Film, 2014 (und bitte nicht die unintelligente YouTube-Version).

Der Wahnsinn also ist, was schon vor 3.000 Jahren die jeweils erkorene "Best Pythia of Delphi" wusste, ein merkwürdiges Ding: mal höchstes Glück, mal schrecklichstes Leid. Viele Jahrtausende lang haben wir Menschen nicht genau gewusst, was die Grenze oder die Schnittmenge zwischen beidem ausmacht. Über Feuer sprangen Priester und Sehende, Kriegshäuptlinge und Heiler, Erretter und Führer aus allerhöchster Weisheit. Je kleiner und beschränkter der Mensch, desto unendlicher die Gewalt, die ihn angeblich leitet.

Bis heute murmeln die Weltendeuter und Wortausdeuter, die goldgekrönten Dolmetscher des jenseitigen Königreichs und die pietistischen Zweifler der Askese, und haben doch nur dasselbe zu sagen: Sieh zu, wie du klarkommst, Yak-Treiber und Mittelmeer-Flüchtling, Richter und Gerichteter, Vortrefflicher und Erbärmlicher.

Das Murmeln wird, wenn mich nicht alles täuscht, über die Jahrhunderte leiser und leiser. Und das ist gut so, wenn auch nicht immer und jederzeit. Auch das muss man aushalten und nicht gleich wieder die Nerven verlieren. Wir haben das mit den Hexen hingekriegt und dem Fegefeuer und den blutenden Madonnen – und zwar, aufs Ganze gesehen, mit links. Nicht ohne unschuldige Opfer, nicht ohne vermeidbares Leid; aber doch ohne je die Hoffnung aufzugeben. (Unvermeidlich: The Road, 2009, Regie John Hillcoat.)

Also werden wir auch die Sache mit dem Dschihad hinkriegen: Je sicherer wir unserer Welt sind, desto schneller. Denn der Dschihad kämpft, entgegen seinem durcheinandergeratenen Zeitgefühl, mitnichten gegen das Kreuzfahrertum oder die Geißlerzüge oder die Verzückung der heiligen Märtyrer, und daher auch nicht gegen das "Abendland": Er kämpft auch mitnichten für das, was er zu sein vorgibt: ein Gottesreich. Denn das, liebe Verzückte, haben wir längst hinter uns. 

Der Dschihad kämpft in seinen Wurzeln gegen die Armut und die Dummheit, in seinen Formen aber gegen die Offenheit und die Freiheit, für die erbärmlichste ejaculatio violentiae und einen Streifen mehr auf dem Turnschuh und zwei Gramm mehr Koks im Hirn. Das macht die Sache unübersichtlich. Die Drogenmafia in Mittelamerika ist eine Degenerationsform des Dschihad. Der Dschihad ist ein zweitausend Jahre verspäteter Spartakus-Aufstand: Sklaven möchten Herren sein.

Oben auf ihrer Dächer Zinnen stehen die Kaiser der Welt und rümpfen die Nase über die tätowierten Krieger aus dem stinkenden Morast des Tiber. Und fürchten sich zu Tode. Frau Bundesministerin der Verteidigung rollt, Hunderte Meilen vom Einsatzort, mit einer Kompanie Leo II umher, an der Kolonnenspitze die Frage: Wo geht's zum Olympiazentrum?, am Ende eine eregierte Flagge: Bundestagswahl 2017!

Herr Kant hat die Freiheit nicht erfunden, auch nicht Herr Perikles oder Herr Cromwell. Sie alle und wir wurschteln uns so durch. So lange, wie seit Tausenden Jahren, jeder verstorbene Gotteskrieger unter dem gottgeweihten Tuch, das ihn unsichtbar und unsterblich machte, heimlich Vanilleeis mit Pistazien aß, Arien von Pamela Callas anhörte und Bilder von Maria Anderson betrachtete. Zum Glück!