Nach fremdenfeindlichen Protesten hat die Stadt Rostock die geplante Einrichtung einer Unterkunft für Flüchtlingsfamilien im Stadtteil Groß Klein gestoppt. Grund sei die angespannte Sicherheitslage in der Plattenbausiedlung, begründete Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) die Entscheidung. In den vergangenen Wochen hatte es wiederholt Proteste gegen Flüchtlinge und mehrere Zwischenfälle gegeben.

Der Entscheidung liege eine Gefahrenbewertung der Rostocker Polizei zugrunde, die von der Einrichtung von Asylunterkünften in dem Stadtteil abgeraten habe, hieß es. Das Rostocker Bürgerschaftsmitglied Torsten Sohn (Grüne) wertete die Entscheidung als fatales Signal. Pöbeleien und rassistische Gewalttaten gegen Geflüchtete hätten somit Erfolg. Ortsbeiratsvorsitzender Uwe Michaelis sagte der Ostsee-Zeitung: "Ich finde es bedenklich, wenn wir uns von den Rechten diktieren lassen, wo Flüchtlinge leben dürfen und wo nicht. Die werten diese Entscheidung doch als Sieg für sich."

Erst vor einer Woche war eine Asylunterkunft mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen nach rechten Protesten teilweise geräumt worden. Die Jugendlichen wurden auf andere Einrichtungen verteilt. Torsten Sohn nannte die Entscheidung "eine Katastrophe für den Stadtteil". Es habe keine gegenseitigen Provokationen gegeben. Vielmehr sei die Unterkunft von 20 bis 40 Gegnern regelrecht belagert worden.

Sozialsenator: "Die Entscheidung tut mir weh"

Sozialsenator Bockhahn sagte ZEIT ONLINE, die Entscheidung tue ihm weh, und er habe sie ungern getroffen. Er sei aber zu allererst für die Sicherheit der Jugendlichen verantwortlich, so der Linken-Politiker weiter. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) habe ihm mitgeteilt, dass er eine Unterbringung von Migranten in diesem Stadtteil ablehne. "Das war für mich eine Handlungsanweisung. Für die Sicherheit ist der Innenminister verantwortlich."

In Rostock war es 1992 zu den massivsten fremdenfeindlichen Protesten der Nachkriegszeit gekommen. Zwischen dem 22. und dem 26. August war das Asylbewerberheim, in dem auch die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (Zast) untergebracht war, belagert und angegriffen worden. In der Nacht des 24. August hatte ein wütender Mob den Plattenbau angezündet. Zuvor war die Zast immer wieder aufgrund rechter Proteste geschlossen worden.

Auch heute ist die Zahl der Übergriffe auf Flüchtlingsheime in Deutschland immer noch hoch. Im laufenden Jahr wurden laut Bundeskriminalamt in Wiesbaden bundesweit 665 Straftaten gezählt, die sich gegen Asylunterkünfte richteten. In 613 Fällen seien rechtsmotivierte Täter für die Übergriffe verantwortlich gewesen.

Ein Interview zum Thema mit Rostocks Sozialsenator Steffen Bockhahn lesen Sie hier

Rostock-Lichtenhagen - "Die Deutschen wollen Deine Landsleute hier nicht" Mai-Phuong Kollath kam 1981 als vietnamesische Vertragsarbeiterin nach Rostock. Und erlebte zunehmende Fremdenfeindlichkeit.