In diesem Sommer haben zahlreiche französische Urlaubsorte, darunter Cannes und Nizza, das Tragen des umstrittenen Ganzkörperbadeanzugs an ihren Stränden verboten. Wegen der nach den islamistischen Anschlägen angespannten Stimmung in Frankreich könne das Kleidungsstück zu Störungen der öffentlichen Ordnung führen, lautet die Begründung. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP hielt in Bildern fest, was passiert, wenn sich Frauen nicht an das Verbot halten: Sie müssen sich teilweise entkleiden, wie der Guardian berichtet.

Auf einem Foto ist eine Frau zu sehen, die schlafend am Strand von Nizza liegt. Sie ist ganz in Schwarz gekleidet, trägt eine langärmelige, hellblaue Tunika und ein Kopftuch. Polizisten veranlassen sie offenbar, die Tunika auszuziehen. Dabei trug die Frau keinen klassischen Burkini – er bedeckt den ganzen Körper und wird von muslimischen Frauen getragen, die beim Baden einer strengen Auslegung des Islams entsprechen wollen – und hatte offenbar auch nicht die Absicht, schwimmen zu gehen.

Ähnlich soll es einer Frau im benachbarten Cannes ergangen sein. Sie saß mit ihrer Familie am Strand, trug Leggings, Tunika und Kopftuch – und bekam einen Strafzettel, den sie dem AFP-Fotografen zeigte. Auf diesem habe gestanden, sie habe Kleidung getragen, die nicht den guten Sitten und der Laizität entspreche. Für das Verhüllen des Körpers am Strand wird in Cannes ein Bußgeld von38 Euro verhängt.

Nizza hatte Mitte August das Burkini-Verbot erlassen. Im Dekret des Bürgermeisters ist das Kleidungsstück nicht namentlich genannt. Vielmehr wird Frauen der Zugang zum Strand untersagt, die "keine korrekte Kleidung tragen, die die guten Sitten und die Laizität respektiert sowie die Hygiene- und Sicherheitsregeln beim Baden achtet". Das Verbot wurde bereits vom Verwaltungsgericht als "notwendig, angemessen und verhältnismäßig" bestätigt. Vom Staatsrat in Paris wird nun eine Grundsatzentscheidung erwartet.

Verbindung zweier Kulturen

Aheda Zanetti, die als Erfinderin des Burkinis gilt, versteht die Aufregung um das Kleidungsstück nicht. Vor mehr als zehn Jahren entwarf sie den Burkini. Auf die Idee brachte sie ihre Nichte, die am Strand Volleyball spielen wollte, aber einen Hidschab trug. Völlig ungeeignet, um Sport zu treiben, befand ihre Tante. Und so kreierte die Australierin mit libanesischen Wurzeln Kleidung, mit der Musliminnen sich freier bewegen können und zugleich in Übereinstimmung mit ihrem Glauben gekleidet sind. Für Zanetti die perfekte Verbindung zweier Kulturen: "Wir sind Australierinnen und Musliminnen", sagte sie dem Guardian.

Die negative Konnotation, die das Kleidungsstück in der momentanen Debatte insbesondere in Frankreich erfährt, macht Zanetti traurig; sie glaubt, dass der Burkini missinterpretiert wird: "Er symbolisiert Freizeit und Glück und Spaß und Sport und Gesundheit, und jetzt wird verlangt, dass Frauen den Strand verlassen und wieder in ihre Küchen zurückkehren?" Der Burkini habe den Musliminnen vor allem eines gebracht: Freiheit, so Zanetti. Und die wolle man den Frauen nun nehmen. Das versteht sie nicht, denn sie sieht in dem Kleidungsstück auch ein Hilfsmittel zur Integration.

Burkini-Erfinderin - Bademode hilft bei Integration Kopfschüttelnd wird in einigen Teilen der Welt derzeit das Burkiniverbot an französischen Stränden verfolgt. Aheda Zanetti ist die Erfinderin des Kleidungsstücks und lebt in Australien. Dort wird der Burkini als Zeichen der Integration betrachtet.