Der Germanwings-Pilot Andreas Lubitz hat seine Flugausbildung an einer Lufthansa-Flugschule in Arizona offenbar nur mit großen Schwierigkeiten geschafft. Lubitz habe Grundfertigkeiten von Piloten nicht beherrscht und sei bei einem Testflug durchgefallen, teilten Anwälte von Hinterbliebenen der Germanwings-Katastrophe in den USA mit.

Lubitz, damals Co-Pilot auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf, hatte den Germanwingsflug 4U9525 nach bisherigen Ermittlungsergebnissen am 24. März 2015 gezielt in den französischen Alpen zum Absturz gebracht. Er und alle übrigen 149 Menschen an Bord starben.

Die Informationen über den Ausbildungsverlauf stammen nach Angaben der Anwälte aus Befragungen, die das FBI direkt nach der Katastrophe mit den Fluglehrern von Lubitz durchgeführt hatte. Abschriften davon wurden erst kürzlich freigegeben und von den Anwälten der Angehörigen an die Nachrichtenagentur AP weitergegeben.

Stärkung für Schadensersatzklage

Einer von Lubitz' Ausbildern sagte dem FBI den Dokumenten zufolge, Lubitz sei "kein Spitzenpilot" gewesen. Er sei bei einer Prüfung durchgefallen, weil ihm das "Lage- und Situationsbewusstsein" gefehlt habe. In der Luftfahrt bezeichnet die Formulierung eine Situation, in der sich der Pilot in einer Aufgabe verliert und keinen Überblick mehr hat.

Ein anderer Ausbilder sagte den Ermittlern, Lubitz habe Probleme damit gehabt, seine Aufmerksamkeit gleichzeitig auf die Instrumente und auf die Außenwelt zu konzentrieren. Allerdings habe er aber in anderen Tests gute Ergebnisse erzielt, weshalb er seine Ausbildung habe fortsetzen können. 

Laut dem Leiter der Flugschule fiel Lubitz zudem bei einem seiner fünf Testflüge sowie bei einer von 67 Trainingseinheiten durch. Das sei aber kein Ausschlusskriterium. Schüler bekämen die Möglichkeit, ihre Testflüge zu wiederholen. Letztlich kämen nur ein bis zwei Prozent von ihnen nicht durch.

Die Informationen dürften die Schadensersatzklage stärken, die Hinterbliebene der Opfer gegen die Flugschule und damit gegen die Lufthansa anstrengen. Die Anwälte werfen der Flugschule und dem Arbeitgeber vor, dass die Schwächen nicht zu einer genaueren Untersuchung des Piloten geführt haben. Diese aber hätten wiederum dazu führen können, dass die psychischen Probleme von Lubitz früher entdeckt worden wären.