Bei einem Selbstmordanschlag in der libyschen Stadt Bengasi sind mindestens 22 Menschen getötet worden. Der Angriff galt offenbar Soldaten: Bei 15 der Toten handelt es sich um Angehörige des libyschen Militärs. Viele weitere seien bei der Explosion der Autobombe im Bezirk Al-Kawarscha verletzt worden, sagte ein Mitarbeiter eines Krankenhauses, in das die Opfer gebracht wurden.

Zu dem Anschlag bekannte sich per Twitter ein Bündnis islamistischer Kämpfer, das sich "Schura-Rat der Revolutionäre von Bengasi" nennt. Ihm gehört auch der libysche Al-Kaida-Ableger Ansar al-Scharia an. Der Angriff könnte im Zusammenhang mit den Luftangriffen stehen, die die USA seit Montag auf Bitten der neuen libyschen Einheitsregierung auf die libysche Hochburg des "Islamischen Staats" (IS), die Küstenstadt Sirte, fliegen. Damit wollen die USA die Misrata-Miliz unterstützen, die in Sirte seit Mai gegen den IS kämpft.

Mithilfe der Luftunterstützung gelang es der Miliz am Dienstag, weitere Teile von Sirte vom IS zurückzuerobern. Die Kämpfer brachten ein Viertel im Stadtzentrum vollständig unter ihre Kontrolle und stießen zudem auf das Hauptquartier des IS. Der Einnahme des Viertels gingen nach Angaben des Militärkommandos heftige Kämpfe voraus. Dabei seien fünf Soldaten der regierungsnahen Milizen getötet und 17 weitere verletzt worden.

Im Osten Libyens hatten Politiker verärgert darauf reagiert, dass die von den UN gestützte Einheitsregierung um Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch in Tripolis ausländische Kräfte um Hilfe bat. Das dort ansässige Parlament, das sich im Zuge einer Regierungskrise parallel zu einem in Tripolis gebildet hatte, erkennt die neue Einheitsregierung nicht an.

Libyen versinkt nach dem Sturz und späteren Tod des einstigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 im Chaos. Nach Gaddafis Ende war ein Machtvakuum entstanden, Kämpfe zwischen rivalisierenden Milizen brachen aus. Zugleich nutzte der IS die Situation, um sich zu etablieren.