Der Amokschütze von München hätte nach den tödlichen Schüssen an einem Einkaufszentrum weitere Menschen umbringen können. "Aber offensichtlich wollte er niemanden mehr töten", sagte ein Sprecher des bayerischen Landeskriminalamts. "Es hätte mehr Opfer geben können." 

Den Ermittlungen zufolge war der 18-Jährige am Tatabend unter anderem in ein Wohnhaus gegangen und traf dort im Treppenhaus mehrere Bewohner. David S. habe seine Waffe zu dem Zeitpunkt nicht mehr in der Hand gehabt. Diese hätten die Menschen sonst gesehen. Mit den Anwohnern habe es eine "völlig normale Kommunikation" gegeben. Ein Bewohner des Hauses habe den 18-Jährigen sogar gefragt, ob er ihm helfen könne. "Die wussten gar nicht, wen die da vor sich haben", sagte der Polizeisprecher. Der Täter habe keinen Bezug zu dem Wohnhaus, das er besuchte. "Wahrscheinlich stand einfach nur die Tür offen."  

Lange war unklar, was der Amokschütze in den etwa zwei Stunden zwischen der eigentlichen Tat am Olympia-Einkaufszentrum und seinem Suizid gemacht hat. Knapp vier Wochen nach dem Amoklauf haben die Ermittler den Weg nun weitgehend rekonstruiert. Demnach suchte der Deutsch-Iraner nach den Schüssen zunächst das Zwischengeschoss des Parkhauses am Einkaufszentrum auf und gab 17 Schüsse auf ein geparktes Auto ab.

Danach ist er laut LKA auf das obere Parkdeck gegangen. Dort stritt er sich mit einem Anwohner. Anschließend sahen ihn zwei Polizisten. Einer habe einen Schuss auf den Amokläufer abgefeuert, diesen aber verfehlt.

Karte: Tödliche Schüsse in München

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Über eine Außentreppe des Parkhauses sei der Todesschütze dann wieder nach unten auf die Straße gelangt, habe eine Grünanlage betreten und sei dann in die nahe gelegene Henckystraße gegangen. Dort gelangte er in das Treppenhaus des Wohnanwesens. Im Anschluss daran habe David. S. sich offensichtlich "für längere Zeit" in der Tiefgarage des Hauses versteckt. Schließlich habe er diese über eine Außentreppe verlassen und "unmittelbar danach" mehrere Polizisten getroffen. Vor deren Augen habe er sich dann erschossen.

Der Amokläufer tötete am 22. Juli neun Menschen und sich selbst. 36 Menschen wurden bei dem Amoklauf verletzt. Inzwischen befindet sich den Behörden zufolge von ihnen niemand mehr im Krankenhaus.

Waffenhändler protzte mit Lieferung

Am Dienstag teilte die Polizei mit, den mutmaßlichen Waffenlieferanten gefasst zu haben. Die Lebensgefährtin des 31-Jährigen sei inzwischen wieder auf freiem Fuß. Der Amokläufer habe für die Schusswaffe und Munition insgesamt 4.350 Euro gezahlt, sagte ein Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft am Mittwoch. Die Ermittler überführten ihn, als er bei einem Scheingeschäft prahlte. Dabei ging es unter anderem um die Lieferung einer Glock 17. Der Händler habe gesagt, er habe eine solche Waffe auch an den Münchner Amokschützen geliefert.

Auf den Waffenlieferanten kamen die Ermittler durch Untersuchungen gegen einen 62-jährigen Buchhalter aus Nordrhein-Westfalen und einen 17-jährigen Schüler aus Nordhessen. Beide stehen im Verdacht, bei dem Marburger Schusswaffen und Munition erworben zu haben. Dadurch ergaben sich auch Einblicke in die Abläufe der Transaktionen: Das Geschäft zwischen dem mutmaßlichen Waffenhändler und dem 17-Jährigen wurde über Gitarrenkoffer abgewickelt. Die Freundin des Verkäufers habe den Koffer mit den Waffen abgestellt und einen leeren Instrumentenkoffer mitgenommen.

Händler hatte noch mehr Waffen versteckt

Bei dem mutmaßlichen Händler fanden die Polizisten noch mehr Waffen: Der 31-Jährige habe in einer ersten Vernehmung auf eine in Köln an einer Verkehrsinsel vergrabene Kiste hingewiesen, sagte der Sprecher. Darin seien eine Maschinenpistole, vier halbautomatische Pistolen und Munition gefunden worden.

Den Kauf hatten Amokläufer und Waffenhändler über das Darknet abgeschlossen. Dorthin verlagert sich den Ermittlern zufolge zunehmend der Handel mit illegalen Waffen. Das Zollfahndungsamt Frankfurt hat nach eigenen Angaben seit Ende 2014 insgesamt mehr als 30 Verfahren mit Bezug auf Waffen im Darknet geführt. Es seien 29 Beschuldigte identifiziert worden, 7 davon seien in Untersuchungshaft genommen worden. Es seien bei den 33 Ermittlungsverfahren 19 Pistolen, 10 Revolver, 5 Gewehre und 2 Maschinenpistolen sichergestellt worden. Zudem fielen den Fahndern 3.378 Schuss Munition in die Hände.