Medienberichte über verhinderte Amokläufe könnten andere potenzielle Amokläufer davon abhalten, ihre Tat zu begehen. Das legen die Forschungsergebnisse des Sozialmediziners Thomas Niederkrotenthaler nahe. "Wir erarbeiten derzeit Medienempfehlungen zur Berichterstattung über Amoktaten", sagte der Forscher von der Medizinischen Universität Wien der ZEIT.

Niederkrotenthaler wies nach, dass Berichte über verhinderte Suizide die Zahl der Suizidversuche senken können. Dieser Präventionseffekt könnte auch bei potenziellen Amokläufern wirken. Ebenso wie bei Suiziden gebe es auch bei Amoktaten Nachahmungseffekte, die von den Medien angefacht würden, sagte der Sozialmediziner.

Wegen der dicht aufeinanderfolgenden Anschläge in Würzburg, München und Ansbach war oft die Rede von einem Ansteckungseffekt. Zumindest der Zusammenhang zwischen Berichten über Suizide und der Zunahme von Suizidversuchen ist wissenschaftlich gut belegt. Er wird als Werther-Effekt bezeichnet, benannt nach dem Briefroman Die Leiden des jungen Werthers von Johann Wolfgang von Goethe. Als das Werk 1774 erschien, brachten sich zahlreiche Menschen in Nachahmung des Protagonisten um.

Das gegenteilige Phänomen, das Niederkrotenthaler entdeckte, wird Papageno-Effekt genannt. In Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Die Zauberflöte halten Freunde den Vogelfänger Papageno vom Suizid ab.