Bei Frontex-Einsätzen im Mittelmeer hat die griechische Küstenwache offenbar auf mit Flüchtlingen besetzte Boote geschossen. Das berichtet das Recherchemagazin The Intercept unter Berufung auf Augenzeugen und Dokumente von Frontex. Die griechischen Grenzer waren bei den Einsätzen im Auftrag der europäischen Grenzschutzagentur unterwegs. 

Eine 19-jährige Afghanin erzählt beispielsweise, wie sie im März 2014 eine Kugel in den Rücken bekam, als die griechische Küstenwache ihr Flüchtlingsboot zu stoppen versuchte. Später wurden sie und die anderen Verletzten in Krankenhäuser gebracht.  

Ein interner Bericht von Frontex, den The Intercept ebenfalls veröffentlicht, belegt die Schüsse. 16 Einschusslöcher wies das Boot demnach auf. Ein Offizier wurde verhaftet. Ein griechisches Gericht untersuchte den Vorfall, konnte seitens der Grenzschützer aber keinen Fehler erkennen. Sie hätten geschossen, um das Boot eines Schleppers zu stoppen, hieß es.

Unterlagen von mehreren Vorfällen dieser Art, die The Intercept von Frontex zusammengetragen hat, vermitteln ein ähnliches Bild. "Jeder Fall, in dem Schusswaffen eingesetzt wurden, wird — auch wenn jemand verwundet wurde — als Standard-Prozedere für das Stoppen eines Bootes auf See dargestellt", schreibt Autor Zach Campbell.

Flüchtlingskrise - "Wen sollte ich zuerst retten mit meinem kleinen Boot?" Die Fischer von Lesbos führten ein einfaches, ruhiges Leben – bis die Flüchtlingsboote kamen. Im Video erzählt der Fischer Kostas Pideris, wie sie ihre Arbeit ausgesetzt haben, um zu helfen, und wie ihn diese Erfahrung verändert hat.