Wenn eine Frau am Strand von Nizza einen Burkini trägt, kostest das seit Kurzem 38 Euro Strafe. Der Algerier Rachid Nekkaz hat nun erklärt, er werde die Strafzahlungen hier und in anderen französischen Städten übernehmen, wenn die betroffenen Frauen sich an ihn wenden.   

Bislang 15 Frauen hätten sich schon bei ihm gemeldet, sagte Nekkaz dem Sender CNN. Bis Ende August, wenn das befristete Verbot endet, rechne er mit um die 100 Strafen, die er bezahle. Er tue das, sagte Nekkaz, "um die Freiheit dieser Frauen zu garantieren, diese Kleidung tragen zu können, und vor allem um die Anwendung dieses unterdrückerischen und ungerechten Gesetzes zu neutralisieren".

Nekkaz, der Wert darauf legt, selbst kein Anhänger der Vollverschleierung zu sein, hat mit ähnlichen Aktionen bereits in der Vergangenheit für Aufmerksamkeit gesorgt. So übernimmt er auch Strafzahlungen für Burkaträgerinnen in Frankreich, in der Schweiz, in Belgien und in den Niederlanden. 2010 gründete er dafür die Organisation Touche pas à ma constitution (Rührt meine Verfassung nicht an). Medien nennen ihn deshalb den "Zorro des Nikabs". In einem Interview bezifferte er seine Ausgaben für die Strafen im November 2015 auf bis dato 220.000 Euro.

"Respekt vor fundamentalen Freiheiten"

Nekkaz hat sich auch gegen ein Verbot der Vollverschleierung in Deutschland ausgesprochen. Die Innenminister von CDU und CSU hatten vergangene Woche beschlossen, das Tragen von Burkas und Nikabs in einigen öffentlichen Bereichen unter Strafe stellen zu wollen: beispielsweise im Straßenverkehr, auf Demonstrationen und im öffentlichen Dienst. Nekkaz sagte zu den Verbotsplänen und den schon bestehenden Verboten in mehreren Ländern: "Es ist meine Pflicht, diese großen europäischen Demokratien daran zu erinnern, dass es der Respekt vor fundamentalen Freiheiten war, der sie zu großen Demokratien gemacht hat."

Nekkaz, der als Sohn algerischer Einwanderer 1972 in Frankreich geboren wurde, hat sein Vermögen als Internet- und Immobilienunternehmer gemacht. 2013 gab er seinen französischen Pass ab, um bei der algerischen Präsidentschaftswahl kandidieren zu können, blieb aber erfolglos.

Burkiniumsatz steigt um 90 Prozent

Die Frau, die als Erfinderin des Burkinis gilt, äußerte sich ebenfalls bei CNN erstaunt über die Burkiniverbote. "Ich kann nicht glauben, dass ein Politiker sich damit beschäftigt, welche Badeanzüge Frauen tragen wollen", sagte Aheda Zanetti, die mit ihrer australischen Firma Ahiida Burkinis verkauft. Seit vergangener Woche, als sich weitere französische Städte dem Verbot anschlossen, das in Cannes bereits seit Ende Juli gilt, seien die Umsätze um 90 Prozent angestiegen, sagte die Unternehmerin.

Im italienischen Alassio waren nach Angaben der italienischen Tageszeitung La Stampa am Wochenende deutlich mehr Badende im Burkini an den Stränden als sonst. Von etwa 100 Frauen im Burkini berichtete ein Bademeister der Zeitung. Mehrere Muslime hatten ihm erzählt, dass sie aufgrund des Verbots in Frankreich ins nahegelegene Alassio gekommen waren. Ein Verbot der Burkinis kommt für den Bürgermeister Alassios nicht in Frage.

Auch die kanadische Regierung stellt sich gegen ein Burkiniverbot. Premierminister Justin Trudeau forderte am Montag bei einer Pressekonferenz, dass der "Respekt der individuellen Rechte und Entscheidungen" ganz oben im öffentlichen Diskurs stehen sollte. Forderungen von Politikern in der französischsprachigen Provinz Québec nach einem Burkiniverbot wies der liberale Politiker zurück.

Kanada sollte "über die Toleranz hinaus gehen", sagte Trudeau. Toleranz bedeute lediglich das Existenzrecht anderer zu akzeptieren, wenn sie "bei uns nicht zu sehr stören". Es gehe aber um "Akzeptanz" des anderen nicht "trotz, sondern wegen der Unterschiede", sagte Trudeau.