Durch unzureichende Infrastruktur und Logistikprobleme steigt das Risiko, dass aus einem extremen Naturereignis eine Katastrophe mit langfristigen Folgen wird. "Bei Hilfsmaßnahmen nach extremen Naturereignissen liegen die Herausforderungen meist auf der 'letzten Meile' der Logistikkette", teilte der Geschäftsführer des Bündnisses Entwicklung Hilft zur Veröffentlichung des Weltrisikoberichts 2016 mit. Das Bündnis aus mehreren Hilfsorganisationen legte den seit 2011 erscheinenden Bericht zusammen mit dem Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen und der Universität Stuttgart vor.

Die Forscher berechnen aus 28 Einzelindikatoren einen Index. Berücksichtigt werden die Gefahren von Erdbeben, Wirbelstürmen, Überschwemmungen, Dürren und einem Meeresspiegelanstieg. Diese Risiken werden mit anderen gesellschaftlichen Faktoren verbunden. Ernährungssituation, medizinische Versorgung oder Regierungsführung entscheiden demnach zum großen Teil, ob aus einem Naturereignis eine Katastrophe wird.

Das größte Problem ist dem Bericht zufolge oftmals nicht die Bereitstellung von Hilfe, sondern, den Transport trotz zerstörter Straßen und Brücken zu organisieren. Die internationale Gemeinschaft sollte deshalb in Entwicklungsländern schon vor Katastrophen in Aufbau und Ausbau der Infrastruktur investieren, sagte Matthias Garschagen, einer der Autoren des Berichts.

Das jüngste Erdbeben in Italien war nach Auffassung von Entwicklungsexperten ein erneuter Beweis dafür, dass auch der Zustand einer Gesellschaft darüber entscheidet, ob aus einem Naturereignis eine Katastrophe wird. Der aktuelle Weltrisikobericht weist für Italien mit Platz 119 nur ein geringes Katastrophenrisiko aus, weil die Voraussetzungen des Landes für die Bewältigung einer solchen Krise als relativ positiv angesehen werden. Die Forscher bewerten dafür unter anderem den Zustand von Straßen und Stromnetz. Zu den Kriterien gehören aber auch die Qualität der medizinischen Versorgung sowie Regierungsführung.

Wie der Bericht zeigt, ist kein anderes europäisches Land so schlecht auf die Bewältigung der Folgen extremer Naturereignisse vorbereitet wie Albanien. Der Balkanstaat belegt im Weltrisikoindex den 40. Platz. Damit liegt er in der gleichen Risikogruppe wie Afghanistan (41) und der Sudan (51). Die Kapazitäten des Landes im Umgang mit Naturgefahren sind gering.

Pazifikraum gilt als am meisten gefährdet

In Europa ist das Gesamtrisiko auch in den Niederlanden (Platz 49) und in Griechenland (76) relativ hoch eingeschätzt. Bei den Niederlanden liegt das an der hohen Wahrscheinlichkeit von Schäden durch Stürme und Überflutungen, die durch den Klimawandel weiter steigt. Griechenland hat ein relativ hohes Erdbebenrisiko.

Serbien weist ein relativ hohes Erdbeben- und Hochwasserrisiko auf und landet auf Rang 69. Das Land ist der Studie zufolge im Vergleich zum Vorjahr von der Kategorie mit "mittlerem Risiko" in die Hochrisiko-Klasse gerutscht. Ein Grund dafür sei eine Verschlechterung der Kapazitäten Serbiens zur Bewältigung der Folgen von Naturereignissen.

Ganz oben auf der Liste stehen auch in diesem Jahr wieder Vanuatu, Tonga, die Philippinen, Guatemala und Bangladesch. In Vanuatu liegt das berechnete Risiko bei 36,3 Prozent. Dahinter folgen Tonga (29,3 Prozent) und die Philippinen (26,7 Prozent). Die geringsten Risiken gibt es laut dem Bericht in Saudi-Arabien (1,1 Prozent), Malta (0,6 Prozent) und Katar (0,08 Prozent). In Deutschland liegt das Risiko bei knapp drei Prozent.