In der sächsischen Stadt Bautzen ist es zu Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern und Flüchtlingen gekommen. Nach Angaben der Polizei standen am Mittwochabend auf einem Platz rund 80 gewaltbereite Männer und Frauen überwiegend aus dem rechten Spektrum 20 jungen Asylbewerbern gegenüber.

Zwischen den Lagern kam es zu verbalen und tätlichen Übergriffen. Zeugen berichteten laut Polizei, dass die Gewalt zunächst von den Asylbewerbern ausgegangen sei. Um welche Zeugen es sich handelt und was der Gewalt vorausging, lässt die Mitteilung offen.

Eine Augenzeugin vom Bündnis Bautzen bleibt bunt berichtet dem Tagesspiegel, dass die Asylbewerber sich wie so oft auf dem Platz aufhielten, woraufhin sich immer mehr Rechte zusammengetan hätten. Nach Einbruch der Dunkelheit seien die Asylbewerber von der Polizei aufgefordert worden, den Platz zu verlassen. Sie hätten sich aber geweigert, einige seien dann gewaltsam gegen die Beamten vorgegangen. Die Rechten sollen daraufhin unter Rufen wie "Das ist unser Bautzen", "Ausländer raus" und "Das ist unser Nazikiez" auf die Asylbewerber zugestürzt sein. "Die Eskalation ging von der Polizei aus", sagte die Augenzeugin. Der Alltagsrassismus sei "ganz stark in Bautzen", werde aber immer wieder unterschätzt.

Rund 100 Polizisten trennten die Gruppen schließlich und forderten sie auf, den Platz zu verlassen. Die Rechten skandierten Parolen, wonach Bautzen und der Platz "den Deutschen" gehören würde. Aus der Reihe der Asylsuchenden wurden die Beamten den Angaben zufolge unter anderem mit Flaschen und Holzlatten beworfen. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung.

Steine gegen einen Krankenwagen

Im weiteren Verlauf zogen beide Gruppen über die Friedensbrücke zu einer Asylbewerberunterkunft an der Dresdener Straße. Dabei wurden Flüchtlinge von Rechten unter "Wir sind das Volk"-Rufen gejagt. Die Asylbewerber flüchteten schließlich in die Unterkunft. Die Polizei umstellte das Haus. Vor Ort trafen Polizeibeamte einen 18-jährigen Marokkaner mit Schnittverletzungen an. Woher diese stammen, ist unklar. Der angeforderte Krankenwagen wurde laut Polizei von "augenscheinlich rechtsmotivierten Männern" zunächst an der Anfahrt gehindert und mit Steinen beworfen.

Auch drei weitere Asylbewerberunterkünfte in Bautzen und dem Ort Niedergurig im Landkreis Bautzen wurden nach Angaben der Polizei bewacht.

Oberbürgermeister kündigt Maßnahmen an

Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens äußerte sich "entsetzt und sehr besorgt" über den Zusammenstoß. Polizei und Ordnungsamt sollen auf dem Platz stärkere Präsenz zeigen, zudem sollen Sozialarbeiter eingesetzt werden, schrieb Ahrens auf Facebook. Der dpa sagte Ahrens später, dass die Auseinandersetzungen eine "neue Qualität" erreicht hätten.  Zwar gebe es seit etwa zwei Wochen auf dem Kornmarkt ein Problem mit jugendlichen Flüchtlingen. Auch sei es gelegentlich zu Pöbeleien und Beleidigungen gekommen. "Nun aber geht es um anderes Level", sagte Ahrens. "Es kann nicht sein, dass Bautzen zum Spielplatz von gewaltbereiten Rechten wird

In Bautzen war es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Konflikten gekommen. Zuletzt war am Dienstagabend ein 32 Jahre alter Bautzener durch einen Flaschenwurf verletzt worden.

Im Februar hatten teils betrunkene Schaulustige bei einem vorsätzlich gelegten Feuer in einer künftigen Flüchtlingsunterkunft mit unverhohlener Freude zugesehen, einige die Löscharbeiten behindert. Im März war Bundespräsident Gauck bei einem Rundgang durch die Stadt als "Volksverräter" beschimpft worden.