ZEIT ONLINE: Sie schreiben, Musliminnen sollten in öffentlichen Positionen kein Kopftuch tragen dürfen – also etwa Lehrerinnen oder Juristinnen. Ist das nicht auch intolerant?

Ourghi: Uns wird immer vermittelt, dass das Kopftuch etwas Islamisches sei. Aber es ist ein historisches Produkt der patriarchalischen Gesellschaft, um Frauen zu kontrollieren. Natürlich hat jede Einzelne die Freiheit zu tragen, was sie will. Aber ich sehe immer wieder, dass Druck auf die Frauen ausgeübt wird. Viele entscheiden sich für das Kopftuch, um endlich in Ruhe gelassen zu werden.

ZEIT ONLINE: Und was sagen Sie einer selbstbestimmten feministischen muslimischen Studentin, die überzeugt ist, dass das Kopftuch ein wichtiger Bestandteil ihrer Religion und Identität ist?

Ourghi: Wir haben keine Alternative, als das zu akzeptieren. Aber Emanzipation und Feminismus sind nicht vereinbar mit dem Kopftuch. Die Verschleierung ist ein Symbol der Ausgrenzung – in allen ihren Formen. Indem Musliminnen unter anderem zeigen wollen: Ich bin besser als andere muslimische oder als nicht muslimische Frauen.

ZEIT ONLINE: Würden Sie also auch die Burka und den Burkini verbieten?

Ourghi: Selbstverständlich. Was bleibt von einer Frau in der Burka? Verbieten allein reicht natürlich nicht. Wir müssen gleichzeitig alles tun, um die Menschen aufzuklären.

ZEIT ONLINE: Sie schreiben in Ihrer Deklaration, dass Sie Viel- und Kinderehen sowie körperliche Strafen ablehnen. In Deutschland sind diese sowieso verboten. Ist die Ablehnung nicht auch für die meisten Muslime selbstverständlich?

Ourghi: Diese Probleme sind nicht sehr verbreitet, aber real. Kinderehen unter Flüchtlingen etwa. Oder fragen Sie mal einen Sozialarbeiter nach körperlichen Strafen. In der muslimischen Gemeinde ist die Pädagogik der Unterwerfung noch sehr präsent.