Eine Frau als Präsidentschaftskandidatin? Die Mehrheit der US-amerikanischen Frauen und Männer sind froh, dass es endlich so weit ist. Aber die Hälfte der Amerikaner hätte lieber eine andere Frau als Hillary Clinton in dieser Rolle gesehen. Das hat eine Umfrage der New York Times und CBS News ergeben.

Grundsätzlich ist die Mehrheit der Amerikanerinnen überzeugt, dass gegen Sexismus in ihrem Land immerhin schon mehr erreicht wurde als gegen Rassismus. Muttersein sei für sie inzwischen viel bedeutsamer, als verheiratet zu sein. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist aber trotzdem noch ein großes Thema, vor allem für die jüngeren und afroamerikanischen Frauen. Viele sind zudem überzeugt, dass in den USA das gute Aussehen von Frauen höher bewertet würde als ihr Erfolg.

Das größte Problem für Amerikanerinnen ist laut der Umfrage jedoch, dass sie noch immer schlechter bezahlt werden und schlechtere Karrierechancen haben als Männer. Das spiegelt sich auch im Selbstbewusstsein: Männer glauben viel eher daran, dass sie es schaffen könnten, Leitungspositionen in Wirtschaft oder Politik zu übernehmen als Frauen (40 Prozent versus 26 Prozent). Fast die Hälfte der Frauen ist überzeugt davon, dass Männer es in den USA insgesamt leichter haben als Frauen.

Vorbild Clinton?

Eine Frau in der Rolle des mächtigsten Menschen der Welt müsste sich also eigentlich positiv auf das Selbstbewusstsein der Amerikanerinnen auswirken und ihnen Hoffnung geben, dass die Gesellschaft für sie gerechter wird. Dass Gegenkandidat Donald Trump ein guter Präsident für Frauen sein könnte, glauben dann auch nur 11 Prozent der Befragten. Viele sind der Überzeugung, dass er Frauen nicht respektiere. Trotzdem finden nur 45 Prozent der Amerikanerinnen, dass Clinton die richtige Kandidatin in Frauenfragen sei. 2007 hielten noch 70 Prozent Hillary Clinton für ein Vorbild, jetzt sagen das nur noch 56 Prozent. Obwohl sie schon immer ehrgeizig ihre eigene Karriere verfolgt hat, sehen in ihr immer noch viele die Frau von Bill Clinton, die durch ihren Ehemann Vorteile hat.

In Deutschland regiert Angela Merkel seit 2005. Wie war es bei der CDU-Politikerin? Heute steht ihre Politik durchaus für einen weiblichen Führungsstil. Mit ihr hat sich auch die Familienpolitik liberaler entwickelt als es von einer konservativen Partei wie der CDU erwartet wurde. Aber als Kanzlerkandidatin hatte sie sich nicht explizit für Frauen- oder Familienthemen eingesetzt. Sie kämpfte darum, das Stigma von Kohls Mädchen loszuwerden, galt aber dafür vielen als kalt und emotionslos – ähnlich wird über Hillary Clinton geurteilt. Als Feministin überzeugte Merkel erst recht nicht.