Bei einem Angriff auf einen Militärstützpunkt im indischen Teil Kaschmirs sind 17 indische Soldaten und vier Rebellen getötet worden. Die Rebellen hätten sich in den Stützpunkt in der Kleinstadt Uri eingeschlichen und das Feuer eröffnet, sagte ein hochrangiger indischer Armeevertreter. Daraufhin hätten die indischen Soldaten zurückgeschossen. Der Angriff sei der größte seit Jahren. 35 Soldaten seien verletzt worden, teilten die Behörden mit. Das Feuergefecht dauerte demnach mehrere Stunden. Mehrere Zelte und andere Behelfsunterkünfte der Soldaten brannten.

Uri liegt in der Nähe der hochmilitarisierten Kontrolllinie, die die Himalayaregion zwischen Pakistan und Indien teilt. Indien und Pakistan streiten seit Jahren über ihren jeweiligen Einfluss in dem Gebiet. 

Bislang ist noch nicht klar, ob die vier Rebellen die einzigen Angreifer waren. Zu der Attacke bekannte sich zunächst niemand. Ein Vertreter des indischen Innenministeriums machte allerdings Separatisten verantwortlich, die aus Pakistan kämen und vom Nachbarland unterstützt würden. Pakistan weist diese Vorwürfe zurück.

Das indische Militär nannte die Angreifer auf Twitter Terroristen aus Pakistan. Die Verteidigung des Militärstützpunkts sei ein Anti-Terror-Einsatz gewesen. Die indischen Kämpfer würden die Gegend immer noch nach weiteren Angreifern durchsuchen.

Seit Juli kommt es immer wieder zu gewaltsamen Demonstrationen

Einen ähnlichen Zwischenfall hatte es bereits im Dezember 2014 gegeben. Damals wurden bei einem Angriff in der Nähe von Uri acht indische Soldaten und drei Polizisten getötet. 

In den vergangenen Monaten wurde die Situation in Kaschmir immer angespannter. Es kam zu den schwersten antiindischen Proteste seit Jahren. Sie hatten begonnen, nachdem Regierungstruppen Anfang Juli den Rebellenführer Burhan Wani getötet hatten. Die Polizei geht hart gegen die Demonstranten vor: Im Verlauf der Proteste wurden bislang fast 90 Zivilisten getötet. Tausende weitere wurden verletzt. Es gilt ein Ausgehverbot, an das sich viele Demonstranten allerdings nicht halten.

Im Januar war es zudem zu Kämpfen auf einer großen indischen Luftwaffenbasis gekommen. Die Basis mit dem Namen Pathankot liegt ebenfalls im pakistanisch-indischen Grenzgebiet. 

Im Konflikt über Kaschmir starben seit 1989 mehr als 68.000 Menschen. Viele Einwohner des vorwiegend muslimischen Teils unter indischer Herrschaft fordern eine Unabhängigkeit oder einen Zusammenschluss mit Pakistan. Kaschmir ist seit 1947 zwischen Pakistan, Indien und China geteilt. Pakistan und Indien haben seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien drei Kriege gegeneinander geführt, zwei davon gingen um die Kaschmir-Region. Sie beide beanspruchen das gesamte Gebiet für sich.