Rund einen Monat nach einer Demonstration für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan in Köln haben Zehntausende Menschen an einer kurdischen Kundgebung teilgenommen. Die Demonstranten forderten die Freilassung des PKK-Anführers Abdullah Öcalan und kritisierten die Politik Erdoğans. Die kurdische Arbeiterpartei PKK ist in der EU als Terrororganisation eingestuft und in Deutschland verboten. Die Redner der Kundgebung vertraten aber den Standpunkt, nur unter Beteiligung der PKK und Öcalans könne eine Friedenslösung mit der Türkei gefunden werden.

Viele Demonstranten schwenkten Fahnen mit Öcalans Bildnis, auch auf der Bühne hing ein großes Bild von ihm. Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies sagte, Symbole der PKK dürften aber nicht gezeigt werden. Mehr als 1.000 Polizisten waren im Einsatz. Nach Polizeiangaben gab es keine Zwischenfälle.

Der Linke-Vorsitzende Bernd Riexinger, einer der Kundgebungsredner, erneuerte die Forderung seiner Partei nach einer Wiederzulassung der PKK. Falsch sei auch die Isolierung Öcalans. "Wir fordern da ganz klar, dass Öcalan nicht länger im Gefängnis schmoren darf, sondern dass er für Verhandlungen eingesetzt wird", sagte Riexinger. Als "Skandal" bezeichnete er, dass die Bundesregierung mit Erdoğan einen Präsidenten hofiere, "der die Demokratie mit Füßen tritt und Krieg gegen die eigene Bevölkerung führt".

"Wer Gewalt erzeugt, kriegt Gewalt zurück"

Die Demonstration wurde von der Vereinigung Nav-Dem mitorganisiert. Sie wird vom Verfassungsschutz als Dachorganisation von PKK-nahen Gruppen eingestuft. Nav-Dem-Sprecherin Ayten Kaplan sagte, wer auf die Anschläge der PKK in der Türkei verweise, müsse auch sehen, dass die Türkei kurdische Städte belagere und zerstöre, Menschen vertreibe, inhaftiere und töte. "Wer Gewalt erzeugt, kriegt Gewalt zurück, und das ist eine Spirale, die wir durchbrechen wollen", sagte Kaplan. Der Konflikt müsse friedlich gelöst werden.

Der türkische AKP-Abgeordnete Mustafa Yeneroğlu warf deutschen Medienmachern und Politikern mit Blick auf die Kurdendemo in Köln eine Doppelmoral vor. Die gleichen Leute, die die AKP-nahe Kundgebung in Köln Ende Juli kritisiert hätten, seien jetzt "vor der Demo einer Terrororganisation in derselben Stadt plötzlich verstummt", sagte Yeneroğlu.

Ursprünglich war statt der Demonstration ein internationales kurdisches Kulturfestival im Kölner Stadion geplant, das aber wegen Sicherheitsbedenken abgesagt wurde. Die Kundgebung fand unter anderem wegen der angespannten Situation in der Türkei unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt.

Öcalan war 1999 in einem Hochverratsprozess zum Tode verurteilt worden. 2002 wurde seine Strafe nach Abschaffung der Todesstrafe in der Türkei in lebenslange Haft umgewandelt. Seit Monaten dringen keine Informationen zum Gesundheitszustand von Öcalan nach außen. Aus Protest dagegen hatten zuletzt 50 prokurdische Politiker und Aktivisten in der Türkei angekündigt, ab Montag in einen Hungerstreik zu treten.

In Köln hatten bereits Ende Juli Zehntausende Anhänger des türkischen Präsidenten Erdoğan demonstriert. Die Großkundgebung war weitgehend friedlich geblieben. Die Polizei war damals sogar mit 2.700 Beamten im Einsatz, um die Demonstration abzusichern und Auseinandersetzungen zu verhindern. Es war lediglich zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen rechtsnationalen Türken und Kurden gekommen.

Im nordrhein-westfälischen Grevenbroich wurde am Freitag die Demonstration einer kurdischen Studentenbewegung von der Polizei aufgelöst. 77 Menschen wurden nach Polizeiangaben in Gewahrsam genommen. Die Demonstranten hatten demnach mehrere Stunden eine Straße blockiert. Bei der Auflösung der Demonstration seien auch Flaschen geflogen. Laut Polizei wurden drei Beamte und drei Demonstranten verletzt.