Niederländische Ermittler haben erstmals die Namen von Verdächtigen im Zusammenhang mit dem Abschuss von Flug MH17 über der Ostukraine veröffentlicht. Auf der Internetseite der niederländischen Polizei hieß es, die Ermittler suchten nach weiteren Informationen zu den russischsprachigen Männern mit den Pseudonymen Orion und Delfin. Identifiziert wurden sie als Andrej Iwanowitsch und Nikolaj Fjodorowitsch.

Das internationale Ermittlerteam veröffentlichte darüber hinaus fünf abgehörte Gespräche auf Russisch, in denen die Verdächtigen zu hören sein sollen. Es gebe bislang "keinen Beweis dafür, dass diese Anrufe im direkten Zusammenhang mit dem Abschuss von MH17 stehen". Gleichwohl bitte das Team um Hilfe, falls jemand Informationen über die Männer und deren Verbindungen zu Bukraketen habe, deren Stimmen erkenne oder wisse, wo sie sich aufhielten.

Wer bei der Weitergabe von Informationen um seine Sicherheit fürchte, für den könne "eine Reihe von Schutzmaßnahmen getroffen" werden, hieß es von Seiten der Polizei. Einer englischen Übersetzung der Telefonate zufolge sprechen die Männer darin über einen Konvoi, der auf dem Weg zu einem Flughafen nahe Luhansk in der Ostukraine sei.

Die internationalen Ermittler hatten zuvor erklärt, der Abschuss der malaysischen Passagiermaschine im Juli 2014 sei aus dem Gebiet der prorussischen Rebellen erfolgt. Die Rakete sei kurz zuvor aus Russland geliefert worden, lautete das erste Ergebnis einer strafrechtlichen Untersuchung. Die Regierung in Moskau wies die Ermittlungsergebnisse als "politisch motiviert" zurück.

An der strafrechtlichen Untersuchung arbeiten Malaysia, die Ukraine, Belgien und die Niederlande mit. Niederländische Fahnder leiten die Ermittlungen, da aus diesem Land die meisten Opfer stammten. Bereits eine technische Untersuchung im Oktober 2015 hatte ergeben, dass die Maschine von einer Bukflugabwehrrakete russischer Bauart getroffen worden war.

Den Verantwortlichen näher gekommen

Die Bundesregierung begrüßte die Ermittlungsergebnisse als Schritt nach vorne. Außenamtssprecher Martin Schäfer sagte, die Ergebnisse seien glaubwürdig sowie sehr sorgfältig recherchiert. Man sei "den Verantwortlichen näher gekommen".

Der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), sagte der Huffington Post, es sei ein "fatales Signal, dass Russland die Ermittlungen im Fall MH17 bisher blockierte". Die Haltung Russlands erschwere die Aufklärung. "Ohne die Mithilfe des Kremls lassen sich die Verantwortlichen für das Unglück aber nur schwer finden", sagte Erler.

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