Jahrzehntelang existierte kein Foto von ihm, dafür zahlreiche Alias-Namen. Ex-Agent Werner Mauss galt lange als deutscher James Bond, der in heiklen Missionen für die Bundesregierung unterwegs war. Von diesem Montag an schreibt das Landgericht Bochum ein neues Kapitel im längst verfilmten Leben des 76-Jährigen: Mauss, der mit Terroristen, Juntas, Drogenkartellen und Rebellen zu tun hatte, muss sich wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. Eine Steuer-CD aus Liechtenstein hatte die Ermittler auf seine Spur geführt.

Die Justiz bestätigte ein Verfahren gegen "Werner M." und listet für ihn allein in der Anklageschrift vier verschiedene Namen auf: Werner Mauss alias Claus Möllner alias Dieter Koch alias Richard Nelson, mal verheiratet, mal nicht, mal geboren in Essen, in Hagen, in Wuppertal oder nirgendwo. Laut Anklage geht es um den Verdacht der Steuerhinterziehung in Höhe von insgesamt 15,24 Millionen Euro (Aktenzeichen II-2 KLs 8/16). Sollte dies im Strafprozess bewiesen werden, dürfte der heute offiziell als Privatdetektiv tätige Mauss kaum auf eine Bewährungsstrafe hoffen, sondern muss mit einer mehrjährigen Haftstrafe rechnen.

Mauss hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Er habe sein Vermögen in jahrzehntelanger, meist lebensgefährlicher Arbeit unter Verzicht auf einen Ruhestand redlich verdient und seine Einnahmen stets ordentlich versteuert. Vor Gericht geht es vor allem um ein Vermögen, das auf einem nicht beim Finanzamt deklarierten Konto bei der Luxemburger Tochter der UBS geführt wurde, für das wiederum Mauss als Inhaber aufgeführt worden war.

Mauss' Anwälte argumentieren, bei dem Vermögen handele es sich um einen Treuhandfonds für "humanitäre Zwecke". Es werde von ihrem Mandanten im Auftrag internationaler Organisationen verwaltet und sei ihm deshalb wirtschaftlich nicht zuzurechnen. Allerdings habe sich der Angeklagte zu strikter Geheimhaltung verpflichtet, was seine Verteidigung nun erschwere.

Richter Markus van den Hövel sagte zu Prozessbeginn, die Anwälte hätten in Vorgesprächen darauf verwiesen, dass Mauss einer Geheimhaltung unterliege und eine Aussage daher nur mit Genehmigung der obersten Bundesbehörden möglich sei. Das Gericht könne diesen Zusammenhang derzeit allerdings nicht sehen, sagte van den Hövel.

James Bond ist Mauss zu langweilig

Bis ins Jahr 2000 war Mauss viele Jahre lang von der Bundesregierung mit geheimen Missionen beauftragt worden. Ein Foto gab es in all der Zeit nicht von ihm, wohl aber viele Anekdoten und Gerüchte über sein Wirken im südamerikanischen Dschungel, über Verhandlungen mit Hisbollah, über seine Jagd nach RAF-Terroristen und Juwelendiebe.

James-Bond-Filme seien ihm zu langweilig, hat er mal gesagt: "Ich kämpfe gegen Tod und Teufel." Auf seiner Website schreibt Mauss, er sei an der Festnahme von rund 2.000 Kriminellen beteiligt gewesen, als Privatdetektiv habe er sich auf Geiselbefreiungen spezialisiert und bereits 43 Menschen das Leben gerettet. Noch im April habe er in Südamerika vier Tage auf einem Maulesel verbracht, um die Freilassung von Geiseln zu bewirken.

Laut Anklage hat Mauss den Finanzbehörden große Summen auf Auslandskonten verheimlicht – unter anderem auf den Bahamas. Um die Vorwürfe der Steuerhinterziehung zu untermauern, hat die Staatsanwaltschaft zehn Zeugen benannt, von denen viele aus dem Ausland kommen sollen – unter anderem aus dem Vatikan, Israel und Brasilien. Ob sie wirklich anreisen und vor Gericht aussagen müssen, ist allerdings noch offen.

Die Richter haben zunächst neun Verhandlungstage bis zum 19. Dezember vorgesehen.