Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe hat im Münchner NSU-Prozess zum ersten Mal persönlich das Wort ergriffen. Sie verlas eine kurze Erklärung, in der sie einräumte, sich früher "durchaus mit Teilen des nationalistischen Gedankenguts" identifiziert zu haben. Dies sei heute jedoch nicht mehr so. "Heute hege ich keine Sympathien mehr dafür", sagte Zschäpe. "Heute beurteile ich Menschen nicht nach Herkunft und politischer Einstellung, sondern nach ihrem Benehmen."

"Es ist mir ein Anliegen, hier Folgendes mitzuteilen", hatte Zschäpe ihre Erklärung eingeleitet. Darin sagte sie, dass sie sich "in den Jahren nach dem Untertauchen" verändert und dem rechten Gedankengut abgeschworen habe: Im Gegensatz zu der Zeit, als sie Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos kennengelernt habe, "wurden diese Themen wie zum Beispiel Angst vor Überfremdung zunehmend unwichtiger", las sie vor.

Am Ende bekräftigte Zschäpe ihre Entschuldigung an die Opfer des NSU, die sie bereits im Dezember 2015 durch ihre Anwälte hatte verlesen lassen. "Ich verurteile das, was Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos den Opfern angetan haben und mein eigenes Fehlverhalten, wie ich es bisher zum Ausdruck gebracht habe", las sie vor und bezog sich damit auf ihre bisherigen, ebenfalls durch ihre Anwälte verlesenen Angaben, wonach sie nicht die Kraft gehabt habe, sich von ihren beiden mutmaßlichen Komplizen zu lösen. 

Beim Verlesen ihrer kurzen Erklärung sprach Zschäpe nach Angaben von Prozessbeobachtern sehr schnell mit leiser Stimme. Auf einige Augenzeugen wirkte sie nervös, andere wiederum konnten keine äußeren Anzeichen von Unruhe erkennen.

Zschäpe steht seit dem 6. Mai 2013 vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft an zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden und zwei Sprengstoffanschlägen vor, die Zschäpes mutmaßliche Komplizen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos verübt haben sollen. Alle drei sollen den sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gebildet haben, 13 Jahre lang lebten sie im Untergrund, Zschäpe ist die einzige Überlebende des NSU-Trios.

Als Hauptangeklagte im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München hatte sie jahrelang auf Anraten ihrer drei Verteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm jede Aussage verweigert. Im vergangenen Dezember dann hatte sie mit Unterstützung von zwei weiteren Anwälten eine Aussage und mehrere Antworten auf Fragen des Oberlandesgerichts München verlesen lassen. Darin hatte sie angegeben, von den Morden nichts gewusst zu haben und sich bei den Angehörigen der Opfer entschuldigt. 

Kontakt zu Gefangenem aus der rechten Szene

Dass sich Zschäpe schon vor Jahren von rechtem Gedankengut distanziert hat, daran kann gezweifelt werden. So wurde vor drei Jahren, im Juni 2013, bekannt, dass sie Briefkontakt mit einem Gefangenen aus der rechten Szene hatte. In der Zelle eines Strafgefangenen in Bielefeld wurde damals ein 26-seitiger Brief von Zschäpe gefunden.

Im Jahr darauf wurde bekannt, dass der Gefangene Robin S. seine Haftstrafe nicht mehr im offenen Vollzug verbüßen durfte. Laut Justizvollzugsanstalt fand man damals in dessen Zelle Beweise, "dass er nach wie vor nicht nur einer rechten Ideologie, sondern auch einer grundsätzlich gewaltbereiten Ausrichtung anhängt".