Elf Hilfsorganisationen haben einen Eilantrag gegen die Auflösung des Flüchtlingslagers in Calais gestellt. Der Antrag wurde beim Verwaltungsgericht der Stadt Lille gestellt. Die Organisationen werfen den französischen Behörden eine "Beeinträchtigung der Grundrechte der Exilanten" vor. Das Gericht wird nun innerhalb von 48 Stunden über den Antrag urteilen.

Thierry Kuhn, ein Sprecher der Organisation Emmaus, sagte im Namen aller Gruppen, die Behörden seien noch nicht bereit die Flüchtlinge umzusiedeln. Die französische Regierung plant eine Umsiedlung der Flüchtlinge in Aufnahmezentren in ganz Frankreich. Dies sei keine nachhaltige Lösung, kritisieren die Hilfsorganisationen. Ungeklärt sei insbesondere das Schicksal von rund 1.300 unbegleiteten Minderjährigen. Die Regierung hat offiziell kein Datum für den Beginn der Räumung genannt. Als möglicher Termin galt bisher aber der 17. Oktober dieses Jahres.

Am Mittwoch hatte das oberste französische Verwaltungsgericht in Paris die Schließung von Dutzenden kleinen Geschäften und Imbissbuden in dem Lager erlaubt. Bereits im Februar hatten sich die Organisationen mit einem Eilantrag an das Verwaltungsgericht gewandt, um eine Räumung des südlichen Teils des Lagers zu verhindern. Das Gericht lehnte den Antrag jedoch.

In dem als "Dschungel" bekannt gewordenen Flüchtlingslager bei Calais befinden sich zwischen 7.000 und 10.000 Flüchtlinge. Die meisten von ihnen hoffen, über den Ärmelkanal nach Großbritannien zu gelangen. Immer wieder kommt es auch zu Zusammenstößen zwischen Lkw-Fahrern und Flüchtlingen. Flüchtlinge hoffen durch das Aufspringen auf die Lkw, illegal in das Vereinigte Königreich zu gelangen. Frankreich hat deshalb mit dem Bau einer Mauer entlang der Autobahn begonnen.