Vor dem Oberlandesgericht Celle hat der Prozess gegen die mutmaßliche IS-Sympathisantin Safia S. begonnen. S. hatte Ende Februar 2016 in Hannover einen Polizisten mit einem Messer angegriffen und lebensgefährlich verletzt.  

Die Bundesanwaltschaft wirft der inzwischen 16-jährigen Deutsch-Marokkanerin versuchten Mord sowie die Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor. Die Tat sei eine "Märtyreroperation" für den "Islamischen Staat" (IS) gewesen. Ermittler werten den Angriff als die erste vom IS in Deutschland in Auftrag gegebene Terrortat.

Für die Tat drohen der Schülerin bis zu zehn Jahre Haft. Das Gericht entschied noch vor Verlesung der Anklage, dass bei der Suche nach den Hintergründen die Öffentlichkeit zum Schutz der Jugendlichen von dem Prozess ausgeschlossen wird.

Frühzeitige Radikalisierung

Dass die plötzliche Gewalttat einen langen Vorlauf hatte, wurde schon Tage danach deutlich. Auf YouTube war Safia bereits 2008 mit dem Salafistenprediger Pierre Vogel beim Rezitieren des Korans zu sehen. Vogel präsentierte die damals Siebenjährige als "unsere kleine Schwester im Islam".

Extrem radikalisiert war Safia spätestens am 22. Januar 2016, als sie einen Flug von Hannover nach Istanbul bestieg, um zum IS nach Syrien zu reisen. Dorthin war kurz zuvor ihr älterer Bruder aufgebrochen. Während der 18-Jährige in türkischer Haft landete, wurde Safia von ihrer Mutter aus Istanbul zurückgeholt, in Hannover erwartete sie die Polizei. Zwar kassierten die Fahnder Safias Handys ein, die auf Arabisch verfassten Anweisungen des IS zu der Messerattacke übersetzten sie aber erst Anfang März, als es schon zu spät war.

Der Vater beschrieb seine Tochter in einem Interview als "liebes Mädchen" und als gute Schülerin. "Ich hätte ihr das nie zugetraut. Sie hat nie Gewalt gezeigt. Das muss irgendwo ein Aufruf aus dem Internet sein, da bin ich mir sicher. Sonst würde sie so etwas nicht machen. Ich weiß nicht, was sie ihr versprochen haben." Die Mutter erzog ihre Kinder nach Darstellung des Vaters streng religiös, die Eltern trennten sich schon früh. 

In Celle mitangeklagt ist der 20-jährige Deutsch-Syrer Mohamad Hasan K., der von den Plänen des Mädchens gewusst haben soll. Gegen ihn ermittelt die Bundesanwaltschaft zudem, weil er mit den angeblichen Terrorplänen zu tun haben könnte, die zur Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover im November vergangenen Jahres führten. Vor dem Prozess hatte der 20-Jährige sich ins Ausland abgesetzt. Er wurde in Griechenland gefasst und am Dienstag ausgeliefert, gerade noch rechtzeitig zum Prozessbeginn.