Sie kosten nicht einmal zehn Euro plus Versand – wer heute bestellt, dem liefert der Online-Fachhandel die Horrorclownmaske noch pünktlich bis zu Halloween. Wer sich eine überzieht, sollte jedoch gründlich überlegen, was er tut. Bundesweit ist die Polizei sensibilisiert, seit sich Straftaten gegen Passanten häufen. Fast täglich erschrecken in den Tagen vor Halloween hinter solchen Masken verborgene Übeltäter Kinder, Jugendliche oder gassigehende Hundebesitzer. In der Folge kommt es bis zur Körperverletzung, oft verbunden mit Nötigung und Bedrohung.

Bisher hatte es die Polizei zu Halloween nur mit harmlosen Scherzen zu tun, wie ein Sprecher des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen sagt. Das aus den USA, Großbritannien oder Schweden bekannte Phänomen der Horrorclowns macht sich nun auch hierzulande breit: So erschreckte ein Unbekannter im nordrhein-westfälischen Wedel eine 48-jährige Frau, die ihren Hund ausführte, mit einer Kettensäge.

In Aachen stürzte ein erschreckter Radfahrer so, dass er verletzt ins Krankenhaus musste. Ähnlich erging es einem 15-Jährigen Radfahrer in Wolfsburg. In Rostock schlug ein Maskierter einen 19-Jährigen mit einem Baseballschläger, ein anderer zog an einer Bushaltestelle ein Messer, um einen 15-Jährigen zu erschrecken.

Fast 400 solche Vorfälle zählten die Polizeibehörden der Länder bis Wochenmitte bundesweit. Die teils sadistisch motivierten Attacken seien "ein völlig neues Phänomen, das Grenzen – auch strafrechtlicher Art – überschreitet", sagte Harald Dreßing, Leiter der Forensischen Psychiatrie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit dem Mannheimer Morgen. Den Tätern gehe es darum, Macht über andere auszuüben.

Erschrecken allein ist keine Straftat

Erschrecken allein ist keine Straftat. Und unklar ist auch, ob die von den Betroffenen der Polizei geschilderten Kettensägen und Waffen echt sind oder Attrappen. Dennoch sind die Taten keine Bagatelle: "Erschrecken kann durchaus auch einen Herzinfarkt verursachen", sagt der Sprecher des Landeskriminalamts NRW. Die Polizei ermittelt dann wegen Körperverletzung, wie bei Schnitten durch ein Messer oder Schlägen mit Baseballschlägern.

Hinzu kommt, dass die Schwelle zur Bedrohung schnell überschritten ist, etwa wenn der Täter dem Bedrohten vortäuscht, dass er gegen ihn ein Verbrechen begehen wird. Darauf steht bis zu einem Jahr Gefängnis. "Wenn Menschen massiv mit Gewalt bedroht werden, kann das strafbar sein", warnt Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). "Das hat nichts mehr mit harmlosen Halloweenbräuchen zu tun." Die Behörden müssten "solche Entwicklungen möglichst früh bekämpfen und den Tätern hart und mit null Toleranz entgegentreten".

Mehrere Landesinnenminister demonstrierten in dieser Woche verbal Entschlossenheit. Dennoch entkamen die Maskierten bisher stets der Polizei. Wenn die alarmierten Beamten die Strafanzeigen der Betroffenen aufnehmen, sind die Täter längst auf und davon. Nur wenige Ermittlungsverfahren gegen identifizierte Tatverdächtige wurden bekannt – der 16-Jährige aus Gelsenkirchen, der sich der Polizei stellte, oder die vor Tagen bei Saarbrücken und Aschaffenburg ergriffenen Maskenträger sind Ausnahmen.