Ermittler des Bundeskriminalamts (BKA) haben möglicherweise herausgefunden, wie die DNA des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt an den Fundort der Leiche der entführten Peggy Knobloch gelangt ist

Es hätten sich "mögliche Anhaltspunkte" dafür ergeben, dass die Tatortgruppe der Polizei Thüringen in beiden Fällen "teilweise identisches Spurensicherungsgerät verwendet" hatte, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft in Bayreuth mit. Eine Aussage zur Qualität der Spurensicherung und einer möglichen Kontamination könne aber erst nach weiteren umfassenden und zeitaufwendigen Ermittlungen getroffen werden.

Mit der Untersuchung des eingesetzten Spurensicherungsgeräts werde eine neue Stelle beauftragt, die in den Verfahren noch nicht mit den kriminaltechnischen Untersuchungen befasst war. Zudem würden Zeugen vernommen, heißt es weiter.

Zuvor hatte Spiegel Online berichtet, die DNA könnte an einem Meterstab der Spurensicherung von einem Fundort an den anderen gelangt sein. BKA-Ermittlern sei auf Fotos vom Fundort von Böhnhardts Leiche in einem Wohnmobil in Eisenach 2011 ein markanter Meterstab aufgefallen. Dieser sei auch auf Bildern von Peggys Fundort zu sehen. Das Messgerät sei nahezu unverwechselbar und von einer Beschaffenheit, die es "nur einmal gibt", werden Ermittlerkreise zitiert. 

Auch der Bayerische Rundfunk und der Südwestrundfunk hatten von der womöglich falschen Spur berichtet. Demnach hätten Ermittlungen ergeben, dass die Tatortgruppe des thüringischen Landeskriminalamts sowohl bei der Auswertung der Spuren im Wohnmobil des NSU als auch am Fundort der Skelettteile von Peggy beteiligt war.

NSU-Ausschusschefin: "hyperspekulative Argumentation"

Die Vorsitzende des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses, Dorothea Marx (SPD), zeigte sich allerdings skeptisch, dass die DNA-Spur von Böhnhardt auf verunreinigtes Gerät der Thüringer Polizei zurückzuführen sei. Es sei absurd anzunehmen, dass Böhnhardts DNA über diesen Weg zum Fall Peggy gelangt sei, sagte sie. Dann hätte diese Spur auch in allen anderen Fällen auftauchen müssen, in denen das Spurensicherungsgerät verwendet wurde. Marx, die bereits den zweiten NSU-Untersuchungsausschuss im Thüringer Landtag leitet, nannte die Argumentation "hyperspekulativ".

Vor 15 Jahren war die damals neunjährige Peggy Knobloch aus Oberfranken verschwunden. Im Sommer 2016 schließlich fand man ihr Skelett in einem Wald, wenig später Fetzen von Kleidung in der Nähe des Fundorts. An diesem stellten Rechtsmediziner Mitte Oktober DNA-Spuren des NSU-Terroristen Böhnhardt fest. Es stellte sich erstmals die Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Verbrechen, oder handelt es sich um einen Laborfehler?  

Zwischenzeitlich hatte Spiegel Online berichtet, dem Ergebnis sei zu misstrauen, weil die Proben vom Skelettfundort in jenem Labor in Jena untersucht worden waren, in dem Forscher fünf Jahre zuvor Fundstücke aus Böhnhardts Wohnmobil analysiert hatten. Forensische Genetiker allerdings hielten eine Verunreinigung für äußerst unwahrscheinlich. Noch am selben Tag wurde dementiert, dass beide Fälle im selben rechtsmedizinischen Institut untersucht wurden.