Zwei Monate nach einem verheerenden Erdbeben in Mittelitalien ist die Region erneut von heftigen Erdstößen erschüttert worden. Ein 73-jähriger Mann starb in der Ortschaft Tolentino in der Region Marken an einer Herzattacke, die vermutlich durch die Beben ausgelöst worden sei, meldete die Nachrichtenagentur Ansa. Gegen 19 Uhr erschütterte Mittelitalien zunächst ein Beben der Stärke 5,4, etwa zwei Stunden später ein weiteres der Stärke 6,1. Die Erdstöße brachten Gebäude und Kirchen zum Einsturz, verängstigte Anwohner rannten auf die Straßen, der Strom fiel aus.  

Mittlerweile gab es etwa 60 Nachbeben, wie das nationale Zentrum für Vulkanologie mitteilte. Zwei Beben mit einer Stärke von mehr als 4,0 und mehrere Beben mit einer Stärke von mehr als 3,0 – sie waren also auf jeden Fall spürbar, Schäden an Gebäuden entstehen ab einer Stärke von 5.

Der Leiter der Zivilschutzbehörde, Fabrizio Curcio, sprach in der Nacht von einem verhältnismäßig glimpflichen Ausgang. "Alles in allem besagen die bisherigen Informationen, dass es nicht so katastrophal ist, wie es hätte sein können", sagte er. Auch der italienische Innenminister Angelino Alfano ließ auf wenige Opfer hoffen. "Wenn es sich bestätigt, dass es keine Opfer und Schwerverletzten gab, dann ist es angesichts der Stärke des Bebens ein Wunder", sagte Alfano am Donnerstag im Radio. 

Derzeit suchten zwei Spezialteams im Schutt nach möglichen Vermissten – es sehe derzeit aber so aus, als gebe es keine, sagte Curcio. Die nächsten Stunden würden zeigen, ob das die Einschätzung der Lage bleibe. Die von den Erdstößen am schwersten betroffene Gemeinde liegt in der Provinz Macerata nahe der Stadt Perugia. Die Behörden haben dort auch die Räumung von drei Krankenhäusern wegen Einsturzgefahr angekündigt.

Das Beben erschütterte auch jahrhundertealte Gebäude im historischen Viertel der Hauptstadt Rom, die 120 Kilometer vom Epizentrum entfernt liegt. In mehreren Gebäuden stellte die Polizei Risse fest. Innerhalb einer halben Stunde seien in Rom rund hundert Notrufe beim Zivilschutz eingegangen, hieß es.

Der Bürgermeister der im August bereits schwer getroffenen Gemeinde Amatrice sagte, "es gab Einstürze, aber nur von Gebäuden, die schon beschädigt waren". 

Die Seismologen des italienischen Erdbebeninstituts INGV gehen davon aus, dass beide Beben Nachbeben der starken Erdstöße vom 24. August sind. Dabei wurden in Mittelitalien das Dorf Amatrice und umliegende Orte zerstört, fast 300 Menschen kamen ums Leben, etwa 4.000 wurden obdachlos. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte lag das Epizentrum des neuen Bebens in etwa zehn Kilometern Tiefe. Weitere Beben seien zu erwarten, hieß es.