In Polen haben am Montag Tausende schwarzgekleidete Frauen gegen neue Bestrebungen zur Verschärfung des Abtreibungsrechts protestiert. Bei landesweiten Demonstrationen verurteilten die Aktivistinnen die Einflussnahme der Kirche auf die Politik und die "Verletzung von Frauenrechten".

Das Parlament in Warschau hatte einen Gesetzesentwurf für ein praktisch vollständiges Verbot von Abtreibungen am 6. Oktober nach Protesten abgelehnt. Doch der Vorsitzende der regierenden Partei für Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jarosław Kaczyński, kündigte anschließend eine neue Gesetzesinitiative zur Verschärfung der ohnehin schon strikten Regelungen an. Kaczyński sagte, seine Partei sei selbst dann gegen eine Abtreibung, wenn das ungeborene Kind etwa wegen einer Krankheit zu einem schnellen Tod verurteilt sei, weil es dann zumindest "getauft werden" könne.

Die katholische Kirche in Polen mische sich in Angelegenheiten ein, die sie nichts angingen, sagte dagegen eine der Organisatorinnen der Proteste, Bożena Przyłuska. Ihre Kollegin Kamila Majer ergänzte, die Frauen forderten die Trennung von Staat und Kirche, ein Recht auf Verhütungsmittel und gleiche Bezahlung für Frauen und Männer. "Wir wollen uns nicht mehr fürchten", hieß es auf Plakaten.

Das derzeit geltende Recht erlaubt Schwangerschaftsabbrüche in Polen nur bei Gefahr für Leben oder Gesundheit der Mutter, nach Vergewaltigung oder Inzest oder wenn der Fötus bleibende Missbildungen aufweist. In dem 38-Millionen-Einwohner-Land werden jährlich weniger als 2.000 legale Abtreibungen vorgenommen. Frauenrechtsgruppen gehen aber davon aus, dass zusätzlich 100.000 bis 150.000 Frauen illegal oder im Ausland abtreiben lassen.