Der in Leipzig festgenommene mutmaßliche Terrorist Jaber al-Bakr hatte wahrscheinlich Kontakte zum "Islamischen Staat" (IS). "Vorgehensweise und das Verhalten des Verdächtigen sprechen für einen IS-Kontext", sagte der Präsident des Landeskriminalamtes Sachsen, Jörg Michaelis. Damit bestätigen sich entsprechende Berichte aus Sicherheitskreisen.

Michaelis bestätigte auch, dass es sich bei dem in der Chemnitzer Wohnung gefundenen Sprengstoff um TATP handelt. Der instabile Stoff wurde bei islamistischen Anschlägen häufiger verwendet, was als Indiz für einen IS-Hintergrund gewertet wird. Die Ermittlungen liegen seit Sonntag beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière sprach von Parallelen zu den Anschlägen von Frankreich und Belgien. "Die Vorbereitungen in Chemnitz ähneln nach allem, was wir heute wissen, den Vorbereitungen zu den Anschlägen in Paris und Brüssel", sagte de Maizière. Der Fall zeige aber auch, "dass unsere Sicherheitsbehörden sehr wachsam sind und dass unser Rechtsstaat wehrhaft ist". Die Bedrohungslage hält de Maizière für "unverändert hoch".

Al-Bakr kam im Februar 2015

Laut Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) wurde Al-Bakr am 19. Februar 2015 in einer Erstaufnahmeeinrichtung in München registriert. Bereits einen Tag später sei der 22-Jährige Syrer nach Chemnitz verlegt worden. Am 9. Juni stellte er beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) einen Asylantrag, der akzeptiert wurde: Al-Bakr erhielt eine Anerkennung für drei Jahre. "Bisher waren keine besonderen Auffälligkeiten bekannt", sagte Ulbig mit Blick auf mögliche Ermittlungen der Polizei gegen Albakr.

Laut Bundesanwaltschaft gibt es bisher keine Hinweise, das Al-Bakr ein konkretes Ziel ins Auge gefasst hatte. Damit bestätigen sich Berichte nicht, wonach der Tatverdächtige einen Anschlag auf einen Berliner Flughafen vorbereitete.

LKA verteidigt Vorgehensweise

Erste Hinweise auf Al-Bakr gab es laut den Ermittlern im September. Darauf hin sei der Tatverdächtige nachrichtendienstlich überwacht worden. Federführend war dabei das Bundesamt für Verfassungsschutz. Auch der Bundesnachrichtendienst und der Landesverfassungsschutz von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg waren beteiligt. Laut LKA-Präsident Michaelis wurde der Polizei am Freitag die Erkenntnis übermittelt, dass Al-Bakr einen Sprengstoffanschlag plant und bei den Vorbereitungen weit fortgeschritten sei.

Das zögerliche Eingreifen der Polizei erklärte Michaelis mit einer unübersichtlichen Lage. "Wir wussten nicht, in welcher Wohnung sich der Tatverdächtige aufhielt", sagte der LKA-Präsident. Daher sei entschieden worden, Al-Bakr im Freien festzunehmen. Während der Vorbereitungen sei der Tatverdächtige allerdings plötzlich aufgetaucht und dann trotz eines Warnschusses geflohen. Bei der Verfolgung seien die Polizeibeamten dadurch behindert, dass sie noch ihre schwere Schutzausrüstung für den geplanten Zugriff trugen, sagte Michaelis. "Eine Schussabgabe war nicht möglich und viel zu riskant, weil Unbeteiligte in der Nähe waren."

Syrer fassten Al-Bakr

Al-Bakr war in der Nacht zum Montag in Leipzig gefasst worden. Die Polizei bestätigte, dass er von zwei Syrern identifiziert und festgehalten wurde. Nach Informationen der Deutschen Presseagentur hatte ein syrische Flüchtling den Terrorverdächtigen am Sonntag am Leipziger Hauptbahnhof erkannt, mit in seine Wohnung im Stadtteil Paunsdorf genommen und dort zusammen mit einem Mitbewohner gefesselt. Zum genauen Hergang wollten sich die Ermittler nicht äußern.

Al-Bakr war der Polizei am Samstagmorgen bei einer Razzia in Chemnitz knapp entgangen. Bei der anschließenden Erstürmung der Wohnung, in der er aufgehalten hatte, waren mehrere Hundert Gramm Sprengstoff gefunden worden. Außerdem stellte die Polizei Zünder und Teile sicher, die nach erster Bewertung zur Herstellung von Rohrbomben und einer Sprengstoffweste gedient haben könnten.

Während der Suche nach Al-Bakr wurde ein zweiter Syrer festgenommen, der Ende 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen war. Er sitzt nun in Untersuchungshaft. Gegen beide Männer wird wegen des Verdachts auf die Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Straftat ermittelt.