Die "Analyse" des Mediums Emma besteht allen Ernstes in der Behauptung, es werde von nicht genannten Kräften in und mithilfe der Justiz zielgerichtet und bewusst ein Exempel statuiert, um "Frauen" zu bedrohen, die es "wagen, sexuelle Gewalt zur Anzeige zu bringen". Auf individueller Ebene erscheint ein solches Geschwätz als Ausdruck eines geschlossenen Wahnsystems: Danach existiert eine monströse geheime Verschwörung, deren Unsichtbarkeit der beste Beweis für ihre Gefährlichkeit und Macht ist. Sie veranstaltet Schauprozesse gegen Models und Wetterfreundinnen, damit alle Frauen (!) daran gehindert werden, Gewalttaten anzuzeigen. Paragraf 164 StGB (Falsche Anschuldigung), seit 130 Jahren im Gesetz, ist danach eine zielgerichtete Infamie gegen Frauen.

Auf medienpolitischer Ebene scheint es mir ein wahrhaft erbärmliches Geschäft, nicht mit einem, sondern mit beiden Beinen tief im Sumpf und in den Argumentationsfiguren eines totalitären, antidemokratischen Denkens steckend, das immerzu "entlarvt", wie verrottet alles wohl sein muss, zu dessen Verständnis einem selbst Wille, Intellekt und mindestens Kenntnis fehlen. Teile der ehemals emanzipatorischen Bewegungen der vergangenen Jahrzehnte haben sich in derart autoritärer, fanatischer und hermetischer Weise in die Bilder ihres ewigen kleinbürgerlich-beschränkten Zukurzgekommenseins hinein verloren, dass sie schon um der eigenen ökonomischen Existenz willen gar nicht mehr davon ablassen können. Es gibt weder Grund noch Zweck, das aus purer Sentimentalität zu verschweigen.

Im Marktsegment des Zukurzgekommenseins dreht sich das Rad der Bedeutung und des Geldes nur dann weiter, wenn die ganze Welt allein nach Maßgabe des eigenen Filters von "Opfertum" gedeutet wird. Danach ist jeder Sieg nur eine "Zwischenetappe", jede Niederlage nur ein Produkt der feindlichen Infamie, jede Kritik Propaganda, welcher der Gläubige zu widerstehen hat. Mit der Wirklichkeit haben diese Verschwörungstheorien nichts zu tun. Sie sind dazu geeignet und bestimmt (!), das Recht und die Justiz zu delegitimieren.

Zur Erinnerung: Am 30. Juni hat der Bundestag mit 601 von 601 Stimmen (die Vizepräsidentin war zu Tränen gerührt. Das Hohe Haus erhob sich, ergriffen von sich selbst, von seinen Sitzen) das Gesetz zur Verbesserung des Schutzes der sexuellen Selbstbestimmung beschlossen. Am 23. September hat das Plenum des Bundesrats beschlossen, einen Antrag auf Einberufung des Vermittlungsausschusses nicht zu stellen. Die Sache ist somit gelaufen:

Schon in den nächsten Wochen wird es – gegen sehr wenige Stimmen – strafbar sein, eine andere Person in sexueller Motivation "unter Ausnutzung eines Überraschungsmoments" zu berühren: ohne Gewalt, ohne Drohung, ohne Widerspruch. Also zum Beispiel das klassische Hinterntätscheln: Freiheitsstrafe bis fünf Jahre. Und wenn der Täter dabei ein Taschenmesser oder einen Schraubendreher oder ein Feuerzeug in der Tasche (!) hat, beträgt die Mindeststrafe drei Jahre (!), die Höchststrafe 15 Jahre. Willkommen im Zeitalter des TeamGinaLisa zum Schutz der deutschen Frau! Wir berichten weiter.

Zweitens:

Der wahre Freund des deutschen "Bürgers mit Sorgen & Ängsten" (das ist kein Fast-Food-Produkt im engeren Sinn, sondern ein fiktives Wesen, hungrig, aber satt, froh, aber traurig, klein, aber groß; also jedenfalls "draußen im Lande") – also der Retter des Christentums, Bewahrer des Glaubens, Gefährte der Ziegen und Armenier, Befreier der Kurden vom "selbst ernannten" "Islamischen Staat", Schirmherr aller Kloaken von Antalya, Förderer der Künste, Träger der goldenen Sonnenbrille und des diamantenen Kopftuchs, Großmeister der Ehre des Türkentums, Adoptivenkel Kemals, des Urvaters der Menschheit, Garant des Friedens, Hüter des Mindestlohns, Verteidiger der Freien Rede, Held der Frauen (…, usw. usf.);

also der wirklich allerbeste Freund der Bundeskanzlerin aus Berlin, die ihm vor einem Jahr für drei Milliarden Euro 600.000 Wassersportfreunde verkaufen durfte (also pro Beinahe-Mitbürger 5.000 €) mit der für einen Kaufvertrag ungewöhnlichen Konstellation, dass der Käufer sowohl die Ware als auch das Geld liefert, was das ganze eher zu einem Entsorgungsvertrag macht;

also dieser großherzige Versorger der armen, armen, unglücklichen, verzweifelten, vertriebenen, orientierungslosen, hoffnungsvollen, Menschen, Frauen und Kinder, die der deutsche christlich-abendländisch Mensch wirklich liebt wie seinen eigenen Nächsten, aber eben nur "wie" und nicht "als" denselben, also auf den Müll schmeißt oder ins Mittelmeer zurücktreibt oder im Todesstreifen ein bisschen jagt, aber jedenfalls irgendwo haben will, bloß nicht hier, diese stinkenden, klauenden, grabschenden, brabbelnden, schreienden, ungebildeten, analphabetischen, verrückten, Ziegenfüße fressenden, angeblich von diesem bisschen Krieg in Afghanistan traumatisierten Schmarotzer, die sogenannten Flüchtlinge;