Stimmt der Verdacht, dann ist Uwe Böhnhardt das Phantom von Thüringen. Und damit das zweite Phantom im NSU-Komplex. Das erste war das Phantom von Heilbronn: Nach dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter brachte die Spurensicherung das Erbmaterial einer Frau ins Labor und ordnete es der "mittlerweile meistgesuchten Verbrecherin Deutschlands" zu, wie es damals hieß. Vermeintlich war ihre DNA schon an vielen Tatorten gefunden worden. Wochen später ermittelten die Polizisten schließlich, dass alle DNA-Spuren mit Wattestäbchen eines baden-württembergischen Herstellers genommen worden waren. Das Genmaterial stammte von einer Mitarbeiterin an der Verpackungsanlage. Die Erkenntnis kam acht Jahre nach dem ersten scheinbaren DNA-Treffer und fast zwei Jahre nach dem Kiesewetter-Mord.

Die irrlichternde Jagd auf die Unbekannte dürfte die Ermittlungen merklich gebremst haben. Sie hätten aber vor allem den Schluss reifen lassen müssen, dass DNA ein Beweismittel von höchst trügerischer Sicherheit ist – und im Prinzip wertlos, wenn bei der Spurensicherung nicht höchste Reinheitsstandards eingehalten werden. Eine Übertragung durch einen Meterstab wirkt angesichts dessen dilettantisch.

Für die Eltern von Peggy ist das bitter. Sie wurden möglicherweise unnötig auf eine falsche Spur gebracht, warum ihre Tochter starb. Ebenso bitter ist der Fall für die Angehörigen der zehn NSU-Mordopfer, die vorgeführt bekamen, dass die Polizei aus den Schlampereien der vergangenen Jahre wenig gelernt hat.

Und auch für den NSU-Prozess ist der scheinbare DNA-Fund eine Katastrophe. Die als Nebenkläger teilnehmenden Angehörigen und die überlebenden Anschlagsopfer setzten in das Verfahren zumindest die Hoffnung, dass andere Menschen durch die so gewonnenen Erkenntnisse künftig besser vor schlechter Ermittlungsarbeit geschützt sind. Doch offenbar ist diese Wirkung ausgeblieben. Die Hoffnung scheint zerstört.