Zwölf Stunden lang haben Häftlinge in einem der größten britischen Gefängnisse die Gewalt über vier Trakte übernommen. Erst dann konnten Spezialeinheiten der Polizei den Aufstand unterbinden. Der BBC zufolge waren rund 600 der etwa 1.450 Insassen an den Unruhen beteiligt. 

Nach Angabe der Polizei war es einem Häftling anscheinend gelungen, einem Mitarbeiter die Schlüssel zu einem Zellentrakt zu entreißen. Das Gefängnispersonal habe die betroffenen Gebäudeteile daraufhin abgeriegelt und sich in Sicherheit gebracht. Eine Gefahr für die örtliche Bevölkerung bestand nicht.

Die Häftlinge hätten Brände gelegt, Feuerwerkskörper gezündet, die Büros der Aufseher aufgebrochen und dabei Akten verbrannt. Bei den Revolten wurde ein Gefangener verletzt und mit Brüchen am Kiefer und an der Augenhöhle ins Krankenhaus gebracht. Der Schaden am Gefängnis und die Ursachen des Aufstands werden noch untersucht. 240 Häftlinge sollen nun in andere Gefängnisse umquartiert werden.


Der Chef der Gewerkschaft der Angestellten im Justizvollzugsdienst sieht akuten Personalmangel als eine der Ursachen für die Revolte. Mehr als 30 Mitarbeiter hätten das Gefängnis in den vergangenen Wochen verlassen, sagte er der BBC. Der Sender wurde nach eigenen Angaben während der Revolte von mehreren mutmaßlichen Insassen angerufen, die sich über schlechtes Essen, Hygienemängel und fehlendes Personal beschwerten. Behörden spekulierten offenbar, in welchem Umfang Drogen eine Rolle bei den Revolten gespielt hätten. Diese seien in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Problem in britischen Gefängnissen geworden. 

Zu den Ursachen des Aufstand werde ermittelt, sagte die britische Justizministerin Liz Truss. Wer sich an der Revolte beteiligt habe, dem drohe eine längere Haftstrafe. "Gewalt in unseren Gefängnissen wird nicht toleriert", sagte Truss.

Birmingham ist mit gut einer Million Einwohner die größte britische Stadt nach London. Die Haftanstalt im Stadtzentrum ist eine der größten im Land. Sie stammt noch aus viktorianischer Zeit und gilt wie viele Gefängnisse im Land als veraltet. Der Vorfall ist bereits der dritte innerhalb weniger Monate.