Die Ursachen für diese gesellschaftlichen Gräben sind mannigfaltig. Das politische System hat die Bedeutung der gesellschaftlichen Islamfeindlichkeit lange übersehen. Bislang setzen sich nur die Grünen und Die Linke in ihren Parteiprogrammen überhaupt damit auseinander – die Volksparteien CDU/CSU und SPD tun das nicht. Das Bildungssystem stellt trotz vieler positiver Initiativen weder in der Schule noch in der Wissenschaft ausreichend Wissen über den Islam als Querschnittkompetenz in allgemeinen Fächern zur Verfügung. Spezialisierte Fächer wie die Orientalistik gelten zu Unrecht nach wie vor als Orchideenfächer.    

Formale Bildung, die zum Beispiel dem Rassismus durchaus Einhalt gebietet, tut dies bei der Islamfeindlichkeit also nicht. Auch ist von Bedeutung, dass Muslime und Nicht-Muslime im Alltag wenig Kontakt haben. Wer in der Freizeit und am Arbeitsplatz regelmäßig Kontakt zu Muslimen hat, baut Vorurteile gegenüber dem Islam schnell ab.

Islamfeindlichkeit eint die Rechtspopulisten

Islamfeindlichkeit ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Gerade weil die meisten Menschen keine alternativen Informationsquellen haben, ist dabei die Rolle der Medien entscheidend. Sie prägen das Welt- und Kulturbild der meisten Bürger nachhaltig. Die Kommunikationswissenschaft ist sich einig, dass Medien Meinungen zwar nicht diktieren, jedoch in hohem Maße beeinflussen, worüber Menschen nachdenken. 

Wenn Rezipienten mit dem Islam durch die Medien fast nur im Kontext  negativer Themen wie Terror und Frauenunterdrückung konfrontiert werden, ist es kein Wunder, dass sie über den Islam auch nur in negativer Weise nachdenken. Von der Berichterstattung über terroristische Extremisten angefangen hin zum stereotypen Islambild vieler Menschen ist es kein weiter Weg. Große Medien bereiten so den Boden für gesellschaftliche Feindbilder, die ultrarechte Politiker dann politisch aufsammeln. 

Für die deutsche AfD, den französischen Front National oder Donald Trump ist das Feindbild Islam ein zentrales Element. Seit sich Angela Merkel entschlossen hat, die multikulturelle Gesellschaft quasi im Alleingang und ohne Rücksicht auf die stagnierende Parteiideologie der CDU/CSU zu bejahen – "Der Islam gehört zu Deutschland" –, ist eine Kluft zu den islamfeindlichen Teilen der Bevölkerung entstanden, die der Rechtspopulismus für sich nutzt. Die Ablehnung des Islam ist zum Kern der ultrarechten Parteiprogramme geworden und überbrückt die sonst oft widerstrebenden Interessen im rechten Lager.  

Europäische Rechtspopulisten wollen den Zuzug von Muslimen unterbinden und Moscheen, Minarette und Kopftücher verbieten, wo immer sie können. Sie verfolgen ein generelles antiliberales Programm, das sich auch gegen Homosexuelle und Frauenrechte richtet. Momentan sind aber vor allem orientalische Einwanderer die Sündenböcke einer reaktionären Bewegung, die mit Abschottung und Ausgrenzung Wahlen gewinnen will. 

Auch Kritik bietet ein Bühne

Doch die Medien beeinflussen das Islambild nicht nur, indem sie Stereotype immer neu verbreiten. Der Effekt ist ein ähnlicher, auch wenn sie kritisch über Islamfeindlichkeit berichten. Das beste Beispiel in diesem Zusammenhang war die Kontroverse um Thilo Sarrazin. Der Autor war mit seinen kruden Thesen vom durch Türken und Muslime verschuldeten Untergang Deutschlands monatelang in den Medien präsent und wurde so zum geistigen Ziehvater des deutschen Rechtspopulismus. Dass die Massenmedien sehr oft kritisch mit den Thesen Sarrazins umgingen, ändert nichts daran, dass sie einen Mann, der auf dem Feld der Migrationsanalyse bestenfalls ein Amateur ist, erst berühmt machten.