Dieser Mechanismus ist auch heute zu beobachten. Der Populismus findet wesentlich mehr Aufmerksamkeit als die Positionen anderer Parteien. Die AfD, die nicht im deutschen Bundestag vertreten ist, wird in der Öffentlichkeit als die große Herausforderung für die deutsche Kanzlerin gehandelt. In Frankreich ist die Rede vom Showdown zwischen Marine Le Pen und den großen Parteien. Vor lauter Sensationslust werten die Medien so eine Bewegung auf, für die öffentliche Resonanz das Wichtigste ist. Die Erfahrung mit Trump in den USA zeigt: Beachtung durch die Medien definiert den Zeitgeist

Die Medienresonanz an sich definiert die Bedeutsamkeit einer politischen Bewegung und macht aus Bürgern Protestwähler, die bis dahin vielleicht noch gar nicht gemerkt hatten, dass sie mit der herrschenden Politik unzufrieden sind. Man kann die Rechtspopulisten nicht dekonstruieren – man muss lernen, sie wieder stärker zu ignorieren.

Die mediale Abwertung des Islam bei gleichzeitiger Aufwertung des Rechtspopulismus sind zwei Aspekte, die sich wissenschaftlich unter dem Begriff der Medienmalaise bündeln lassen. Oft ist es nicht die Politik selbst, sondern die zu negative Darstellung der Politik, die Politikverdrossenheit bei den Bürgern erzeugt. Wenn es richtig ist, dass die meisten Anhänger des Rechtspopulismus ihre eigene Lebenssituation eigentlich positiv beurteilen, sich aber Sorgen um den Zustand des Landes machen, dann bestimmt nicht die persönliche Wahrnehmung, wie der Zustand der Gesellschaft eingeschätzt wird, sondern die Medienagenda. Und in den Medien dominieren islamistische Extremisten und rechtspopulistische Agitatoren, so dass die Gefahr für die höher eingeschätzt werden dürfte, als sie wirklich ist.

Islamophobe Logik der Nachrichten

Die Probleme der Welt dürfen natürlich nicht beschönigt werden. Doch die Medien müssen aufpassen, dass sie stereotype Fremdwahrnehmung oder radikale politische Untergangsszenarien nicht transportieren. Es gibt schon Reformansätze: ARD und ZDF haben islamische Pendants zum christlichen Wort zum Sonntag im Internet und andere Sendungen zum Thema Islam entwickelt. Der Begriff Islamfeindlichkeit hat es in die Nachrichtensendungen geschafft. Zumindest in der liberalen Presse werden immer wieder Sonderhefte, Beilagen und Serien zum Islam publiziert, die ein differenziertes Bild der Religion zeichnen.

Doch haben solche Initiativen bisher nicht grundsätzlich etwas daran geändert, dass der Islam in den Medien überwiegend als gewaltorientiert dargestellt wird. Die durchaus zahlreichen kritischen und selbstkritischen Journalisten stehen der islamophoben Logik der Nachrichtenproduktion oft hilflos gegenüber. Denn Islamisten und Populisten schaffen es mit ihren Attentaten und Polemiken mühelos auf jede Titelseite und in jede Prime Time. So wird jahrelange Aufklärungsarbeit an einem Tag zunichte gemacht.

Kurzfristig mag dies den kommerziellen Interessen der Medien dienlich sein. Langfristig stellt ein solcher Journalismus die Medien als ein System sinnvoller gesellschaftlicher Selbstbeobachtung in Frage. Es reicht nicht, wenn Medien anderen Gesellschaftskräften – Parteien, Eliten, sozialen Medien – die Verantwortung zuschieben. Gesucht wird eine journalistische Deeskalationsstrategie. 

Haben Sie Fragen zu den Themen dieser Serie? Dann stellen Sie sie im Kommentarbereich. Wir werden versuchen, möglichst viele davon in den kommenden Beiträgen zu beantworten.