Im Süden Jordaniens haben Bewaffnete bei mehreren Überfällen mindestens neun Menschen getötet. Unter den Toten seien mehrere Polizisten, zwei jordanische Zivilisten und eine kanadische Touristin, teilten die Sicherheitsbehörden mit. 34 Menschen seien verletzt worden. Jordanische Medien berichteten zudem von einer Geiselnahme, ein Vertreter der Sicherheitsbehörden dementierte das jedoch. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand.

Zunächst hätten die Angreifer in der Stadt Kerak östlich vom Toten Meer eine Polizeipatrouille beschossen, als diese zu einem Hausbrand gefahren sei, zitierte die jordanische Nachrichtenagentur Petra die Sicherheitsabteilung der Regierung. Ein Polizist sei verletzt worden, bevor die Schützen mit einem Auto geflohen seien. Kurz darauf hätten Bewaffnete eine andere Patrouille angegriffen, ohne jemanden zu verletzen.

Zur gleichen Zeit hatten sich den Angaben zufolge mehrere Angreifer in der Zitadelle von Kerak verschanzt, das Feuer auf eine Polizeiwache eröffnet und mehrere Polizisten und Passanten verletzt. Die Verletzten seien ins Krankenhaus gebracht worden. Die Zitadelle ist ein bei Urlaubern beliebtes Ziel.

Der jordanische Regierungschef Hani al-Malki sprach von zehn Bewaffneten. An dem Einsatz um die Zitadelle seien Spezialkräfte beteiligt. Der arabische Nachrichtensender Al-Arabija zeigte Bilder, auf denen gepanzerte Fahrzeuge und bewaffnete Einsatzkräfte zu sehen waren.

Widersprüchliche Angaben zu einer möglichen Geiselnahme

Wie die unabhängige Zeitung Al-Ghad unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, hätten die Täter Geiseln genommen. Inzwischen seien aber bereits mindestens zehn von ihnen befreit worden, darunter auch ausländische Touristen. Dem widersprach ein hochrangiger Vertreter der Sicherheitsbehörden. "Es gibt keine Geiseln", sagte er. Wegen der Feuergefechte zwischen Polizisten und Angreifern hätten sich einige Menschen allerdings nicht getraut, die Burg zu verlassen. Mehrere Menschen säßen in einem unteren Stockwerk fest.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) wird für mehrere Anschläge in Jordanien verantwortlich gemacht. Das Land hat Hunderttausende Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen und befürchtet, dass darunter auch IS-Kämpfer sind. Zudem ist Jordanien einer der wenigen arabischen Staaten, der sich an der von den USA geführten Allianz gegen den IS beteiligt.

Allerdings gilt das Königreich Jordanien in der arabischen Welt als eines der stabilsten Länder. Zahlreiche Kulturdenkmäler ziehen ausländische Touristen an. Tödliche Konflikte und Anschläge sind vergleichsweise selten.