Die monatelangen Proteste zeitigen einen ersten Erfolg: Der Verlauf der umstrittenen Dakota Access Pipeline in den USA wird möglicherweise tatsächlich geändert. Dies legt zumindest eine Entscheidung des Ingenieurkorps der US-Armee nahe, dem das zu bebauende Land gehört und das den beantragten ursprünglichen Verlauf der Route nicht genehmigen will. Stattdessen sollten alternative Routen ausgelotet werden, hieß es.

Jo-Ellen Darcy, stellvertretende Ministerin für Zivilangelegenheiten der U. S. Army, kündigte einen langwierigen Lösungsprozess in Absprache mit dem Stamm der Sioux und den Betreibern der Pipeline an. Die Gespräche sollten auch unter einer neuen US-Regierung weitergeführt und der Öffentlichkeit transparent gemacht werden.

Tausende Sioux und deren Unterstützer – andere Indianerstämme, Umweltschützer und Menschenrechtler – hatten in den vergangenen Monaten nahe der Standing Rock Reservation gegen die Verlegung der Pipeline unter den Lake Oahe protestiert; zuletzt war es dabei zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Sie argumentieren, dass dadurch das Trinkwasser in der Region verschmutzt wird und heilige Stätten der Sioux in Gefahr gebracht werden.

This is a reprieve, not a victory. But it's much needed. Don't forget about all our relatives still in the hospital, in...

Posted by Standing Rock Dakota Access Pipeline Opposition on Sunday, December 4, 2016

Die Demonstranten am Cannonball River hielten sich auf dem Gelände der US-Armee auf. Sie waren von der Bundesregierung aufgefordert worden, an diesem Montag aus ihren Camps abzuziehen. Zuletzt drohende Eskalationen wurden entschärft.

Obama habe "Lauf der Geschichte korrigiert"

In ersten Stellungnahmen äußerten sich die Pipeline-Gegner begeistert. Videos auf Facebook aus einem Camp vor Ort zeigten Freudentänze und Sprechchöre. Dave Archambault II, Chef des Stammes der Standing Rock Sioux, sprach Präsident Barack Obama auch im Namen seines Stammes und aller Indianer seine ewige Dankbarkeit aus. Der Lauf der Geschichte sei korrigiert worden.

Zugleich warnen die Pipeline-Gegner vor zu großem Optimismus. "Dies ist eine Atempause, die wir dringend brauchen, aber kein Sieg", schrieben sie auf ihrer Facebook-Seite. Sie wiesen darauf hin, dass der Highway zur Baustelle weiterhin blockiert und durch 72 Strafverfolgungsbehörden abgesperrt ist.

Sorgen bereiten ihnen auch die geschäftlichen Verwicklungen des künftigen Präsidenten Donald Trump. Er hatte als Unternehmer in die Pipeline-Betreiberfirma Energy Transfer Partners (ETP.N), und eine Holding, Phillips 66, investiert. Nach der Wahl sagte Trump, er sei für eine Fertigstellung des Projekts. Sein Team verbreitete, dies liege im Interesse aller Amerikaner.

Das Ölunternehmen Energy Transfer Partners lehnt eine andere Routenführung ab. Die angekündigte Blockade durch das Ingenieurkorps kommentierte die Firma zunächst nicht.

Die Pipeline ist ein 3,8-Milliarden-Dollar-Projekt. Die fast 1.900 Kilometer lange Röhre soll Öl von den Tausenden Frackingbohrstellen im Norden North Dakotas in den Bundesstaat Illinois transportieren. Bis auf das fehlende Stück unter dem Lake Oahe, dessen Bau von der Army jetzt angehalten wurde, ist sie fertig. Der See ist ein Wasserreservoir des Missouri.