Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe hat bestritten, etwas über das getötete Mädchen Peggy gewusst zu haben. Das erklärte ihr Anwalt Hermann Borchert im Münchner NSU-Prozess. Der Vorsitzende Richter hatte die Hauptangeklagte Ende Oktober gefragt, ob sie etwas über den Fall wisse, das sie nicht aus den Medien habe. Diese Frage ließ Zschäpe durch ihren Anwalt mit "Nein" beantworten.

Der Fall der damals neun Jahre alten Schülerin Peggy gilt als einer der rätselhaftesten Kriminalfälle in Deutschland. Im Mai 2001 war das Mädchen verschwunden – Pannen bei den Ermittlungen und die lange vergebliche Suche nach Peggys Leiche führten immer wieder zu Spekulationen und Schlagzeilen. So entdeckte erst im vergangenen Sommer – also mehr als 15 Jahre später – ein Pilzsammler in einem Waldstück in Thüringen, rund 20 Kilometer von Peggys Heimatort Lichtenberg entfernt, Knochen des Kindes.

Mitte Oktober 2016 gaben die Ermittler dann bekannt, dass am Fundort auch ein Beweisstück mit DNA des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt sicher gestellt wurde – wobei nach wie vor ungeklärt ist, auf welche Weise die Spur entstanden ist. Laut Staatsanwaltschaft und Polizei gibt es Anhaltspunkte dafür, dass bei der Spurensicherung in beiden Fällen identisches Gerät verwendet wurde. So könnte die Spur verunreinigt worden sein. Aufklärung über eine mögliche Verbindung der NSU-Terroristen und Peggy hatten sich die Ermittler von Zschäpe erhofft.

Das leistete die Angeklagte aber nicht, genauso wie bei anderen Fragen: Zwar äußerte sich Zschäpe in dem von ihrem Anwalt verlesenen Statement auch über den Fund mutmaßlich kinderpornografischer Bilder auf einem Computer, der im November 2011 in den Trümmern der letzten Wohnung des NSU-Trios in Zwickau gefunden worden war. Eine Spur, der bislang nicht nachgegangen worden war. Götzl wollte hier von Zschäpe nun wissen, wer diesen Computer nutzte, ob sich darauf Bilder von Kindern und Jugendlichen befanden und welche Informationen sie gegebenenfalls zu diesen Bildern hat.

Zschäpe räumte zwar ein, der Computer sei sowohl von ihren Freunden Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos als auch von ihr selbst benutzt worden. Dass sich auf einer Festplatte Bilder von Kindern und Jugendlichen befinden, habe sie aber erst jetzt durch die Akteneinsicht erfahren, erklärte sie und versuchte zugleich, Mundlos und Böhnhardt vor Verdächtigungen im Zusammenhang mit den Bildern in Schutz zu nehmen. Mundlos habe den Rechner damals selbst zusammengebaut. Möglicherweise habe es sich um eine gebrauchte Festplatte gehandelt, die Mundlos zuvor gekauft habe, sagte die Hauptangeklagte.

Zschäpe muss sich in München als Mittäterin an den zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden und zwei Sprengstoffanschlägen verantworten, die dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) angelastet werden. Sie soll das 14 Jahre lange Leben des Trios im Untergrund organisiert und zudem von sämtlichen Verbrechen gewusst haben. Mundlos und Böhnhardt töteten sich den Ermittlungen zufolge im November 2011 nach einem missglückten Banküberfall selbst. Der NSU-Prozess nähert sich dem Ende, das Gericht hat das Ende der Beweisaufnahme eingeleitet.