Ein Lkw ist in einen Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gefahren. Zwölf Menschen wurden getötet, 48 Menschen zum Teil schwer verletzt, wie die Polizei in der Nacht zum Dienstag mitteilte. Auf den Vorfall, bei dem noch nicht klar ist, ob es sich um einen Anschlag handelt, reagierten zahlreiche Politiker entsetzt.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, er sei "tief erschüttert über die schrecklichen Nachrichten von den Ereignissen an der Berliner Gedächtniskirche". Er warnte vor voreiligen Schlussfolgerungen. "Wir wissen noch nicht mit Gewissheit, was heute Abend wirklich geschehen ist." Die Sicherheitsbehörden arbeiteten "mit Hochdruck daran, die Unglücksstelle zu sichern und die Täter zu finden".

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) zeigte sich geschockt. "Was wir hier sehen, ist dramatisch", sagte Müller auf dem Breitscheidplatz, dem Ort des Geschehens. Seine Gedanken seien bei den Familien, die Tote oder Verletzte zu beklagen hätten.

Bundespräsident Joachim Gauck zeigte sich ebenfalls erschüttert. "Auch wenn wir noch nicht viel über die Hintergründe des schrecklichen Geschehens auf dem Berliner Weihnachtsmarkt wissen: Ich bin in Gedanken bei den Opfern, bei ihren Angehörigen, bei allen Menschen, die um Familienangehörige oder Freunde fürchten. Und ich danke den Helfern und Sicherheitskräften für ihren Einsatz."

"Wir trauern um die Toten und hoffen, dass den vielen Verletzten geholfen werden kann", twitterte Regierungssprecher Steffen Seibert. Wirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) schrieb, er sei zutiefst erschüttert. "Es ist jetzt nicht die Zeit für Spekulationen." Sein Profilfoto bei Twitter schwärzte er. Auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt äußerte sich ähnlich. "Trauer und Mitgefühl. Nichts sonst jetzt!"

Christian Lindner rief am Dienstagmorgen zur Besonnenheit auf: "Jetzt zählen Vernunft und Umsicht, aber auch Entschlossenheit und Wachsamkeit. Die erwartbaren Versuche, aus diesen furchtbaren Nachrichten sofort parteipolitisches Kapital schlagen zu wollen, sind dagegen ein Beispiel von Charakterlosigkeit", sagte der FDP-Chef.

Cem Özdemir sprach sich für eine besonnene Prüfung möglicher zusätzlicher Sicherheitsvorkehrungen ausgesprochen. "Es gibt keine absolute Sicherheit. Aber das ist auch keine Entschuldigung, nichts zu tun", sagte der Grünen-Chef im ZDF-Morgenmagazin. Die Antwort sei sicherlich nicht, "dass wir jetzt durchdrehen" und man die Gesellschaft in Hochsicherheitstrakte verwandele. Natürlich werde es weiter Weihnachtsmärkte geben, das sei Teil der Kultur des Landes. "Wir werden das immer verteidigen."

Internationale Anteilnahme

Auch viele internationale Politiker reagierten auf die Vorkommnisse am Berliner Breitscheidplatz. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sprach den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. Die Nachrichten seien umso erschütternder, weil die Menschen am Breitscheidplatz zusammengekommen seien, um die Vorweihnachtszeit zu feiern, die viele mit Besinnlichkeit und Frieden verbinden würden.

Der französische Präsident François Hollande sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem deutschen Volk und den Familien der Opfer seine Solidarität und sein Mitgefühl aus. Der österreichische Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) sagte: "Nach genauer Analyse brauchen wir besonnene, konsequente Antworten."

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini twitterte: "Europa einmal mehr getroffen" und "Unsere Gedanken sind bei allen Opfern und ihren Familien". EU-Parlamentspräsident Martin Schulz wünschte auf Twitter unter anderem dem Verletzten eine "zügige Genesung" und den "Einsatzkräften viel Kraft".

Der designierte US-Präsident Donald Trump sprach derweil von einem "schrecklichen Terrorangriff": Unschuldige Zivilisten seien auf der Straße ermordet worden, als sie sich gerade anschickten, die Weihnachtsferien zu feiern, erklärte er in einer Mitteilung. "Regelmäßig schlachten der Islamische Staat und andere islamistische Terroristen Christen in ihren Gemeinden ab", schrieb Trump weiter. Die Terroristen müssten vom Erdboden getilgt werden: "Ein Auftrag, den wir gemeinsam mit allen freiheitsliebenden Partnern durchführen werden." Zum Zeitpunkt der Mitteilung war in Berlin zwar von einem möglichen Anschlag die Rede, nicht aber von einem islamistischen Hintergrund.

In Frankreich wurden die Sicherheitsvorkehrungen auf den Weihnachtsmärkten erhöht, wie das Innenministerium bekannt gab. Die Deutsche Botschaft in Washington hisste ihre Flagge auf Halbmast. Auf Twitter benutzten User das Hashtag #PrayForBerlin, um ihre Anteilnahme auszudrücken.

Berlin - "Wir brauchen jetzt akribische Tatortarbeit" Nach der Fahrt eines Lkw über einen Berliner Weihnachtsmarkt hat sich die Zahl der Toten auf zwölf erhöht. Zur Ermittlungsarbeit äußerte sich ein Polizeipressesprecher.