Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat alle Juden aufgerufen, ihre Stimme gegen Rechtspopulismus zu erheben. Die AfD gewinne in Deutschland immer mehr an Zuspruch, sagte Schuster auf dem jüdischen Gemeindetag 2016. Sie setze auf Spaltung und Ausgrenzung.

Unter dem "Deckmäntelchen der Israel-Freundschaft" versuche die Partei, auch in der jüdischen Gemeinde Stimmen zu gewinnen. Davon dürfe man sich nicht blenden lassen. "Wenn Stimmung gemacht wird gegen Muslime oder sogenannte Eliten, dann sind früher oder später auch wir Juden gemeint", warnte Schuster. Auch habe sich der Zentralrat der Juden schon immer für andere Minderheiten wie Muslime oder Sinti und Roma eingesetzt.

Schuster zeigte sich zudem besorgt über die steigende Tendenz der rechtsextremistischen Gewalttaten in Deutschland. Das gesellschaftliche Klima werde insgesamt rauer, auch sinke das Verständnis für Religiosität und Religion.

Mit deutlichen Worten kritisierte Schuster den Umgangston im Internet. "Wir erwarten als Juden in Deutschland ja gar nicht, geliebt zu werden. Aber wir wollen respektiert werden." Kritik auch an Israels Regierung stehe jedem frei, aber hemmungslose Hetze und verletzende Kommentare dürften nicht zunehmen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hob in seiner Rede vor dem Gemeindetag die Bedeutung von Religionen für die freiheitliche Grundordnung hervor. Das werde oft unterschätzt. Dabei sei es ein Wunder und ein "kostbares Gut", dass das jüdische Leben in Deutschland wieder blühe. "Dafür bin ich sehr dankbar." Schäuble bekräftigte in diesem Zusammenhang, dass das Existenzrecht Israels unabänderbar Teil der deutschen Staatsräson sei. 

Der israelische Botschafter in Berlin, Yakov Hadas-Handelsman, wertete antisemitische Tendenzen als ein grundsätzliches Alarmsignal. Ein Angriff auf eine Minderheit sei immer ein Angriff auf eine Gesellschaft als Ganzes.

Zum Gemeindetag unter dem Motto "Ein Dach – eine Familie" werden bis Sonntag rund 1.200 Juden aus ganz Deutschland erwartet. Das letzte Treffen dieser Art fand vor drei Jahren ebenfalls in Berlin statt.