Das Oberste Gericht in Warschau hat eine Gerichtsentscheidung vom vergangenen Jahr bestätigt, die die Auslieferung des Regisseurs Roman Polanski an die USA abgelehnt hatte. Polens Justizminister Zbigniew Ziobro hatte den Berufungsantrag gestellt. Damit ist das Verfahren endgültig beendet.

Die US-Justiz versucht seit Jahren, Polanski wegen einer Vergewaltigung einer Minderjährigen im Jahr 1977 vor Gericht zu bringen. Die USA stellten 2015 ein Auslieferungsgesuch, nachdem Polanski in Warschau öffentlich aufgetreten war. Ein Gericht in Kraków (Krakau) erklärte das Gesuch aber für unzulässig. Weil die Staatsanwaltschaft nicht in Berufung ging, rief Ziobro das Oberste Gericht an. Der Justizminister warf den Behörden vor, Polanski wegen seiner Prominenz bevorzugt behandelt zu haben.

Der 83-jährige Polanski lebt derzeit in Frankreich, reist aber oft nach Polen, wo er aufgewachsen ist. Die US-Justiz wirft ihm vor, 1977 im Haus vom amerikanischen Schauspieler Jack Nicholson in Hollywood die 13-jährige Samantha Geimer sexuell missbraucht zu haben. Geimer berichtete damals, Polanski habe sie mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht und vergewaltigt.

Polanski bestritt die Vorwürfe, bekannte sich aber wegen Sex mit einer Minderjährigen schuldig und saß zunächst 42 Tage im Gefängnis, bevor er auf Kaution frei kam. Vor der Urteilsverkündung floh er 1978 nach Europa. Er ließ sich in Frankreich nieder und kehrte nicht mehr in die USA zurück, weil er fürchtete, dass die Strafe trotz einer Übereinkunft mit der Staatsanwaltschaft höher als vereinbart ausfallen würde.

Polanski bekam einen Oskar für "Der Pianist"

Den Oscar für den besten Film, den er 2003 für Der Pianist bekam, nahm Polanski nicht persönlich entgegen. Geimer sagte damals, sie habe Polanski verziehen. Mit ihr hatte der Regisseur bereits 1994 eine zivilrechtliche Einigung auf eine Entschädigungszahlung erzielt. Die Justiz in Kalifornien hielt jedoch stets an ihren Tatvorwürfen fest.

Vor einigen Jahren war die US-Justiz bereits in der Schweiz mit einem Auslieferungsantrag gescheitert. Zwar nahmen die Schweizer Behörden Polanski auf US-Anweisung 2009 in Zürich fest und stellten ihn in seinem Chalet in Gstaad unter Hausarrest. Nach zehn Monaten wurde Polanski aber wegen Unklarheiten im Auslieferungsgesuch wieder freigelassen.

Frankreich lehnte eine Auslieferung des Regisseurs von Anfang an ab. An Polen richteten die USA im Januar 2015 ein Auslieferungsgesuch, nachdem Polanski einen öffentlichen Auftritt in Warschau gehabt hatte. Ein Gericht in Kraków lehnte das mit der Begründung ab, dass Polanksi bereits in den 1970er Jahren eine freiwillige Haftstrafe verbüßt habe. Die Juristen zweifelten außerdem daran, dass dem Regisseur in den USA ein fairer Prozess gemacht werden würde.