In Russland ist ein Flugzeug der Luftwaffe mit 92 Menschen an Bord über dem Schwarzen Meer abgestürzt. Darunter waren  Sänger des berühmten Alexandrow-Ensembles. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums hat keiner der Passagiere und Crew das Unglück überlebt. "Die Absturzstelle der Tu-154 wurde bestimmt", zitierten russische Nachrichtenagenturen aus einer Mitteilung des Ministeriums. "Es gibt keine Hinweise auf Überlebende".

Unter den Getöteten sind auch neun Journalisten, mehrere Militärs und Beamte sowie Elisaweta Glinka, die Leiterin der russischen Hilfsorganisation Gerechte Hilfe, bekannt als Doktor Lisa.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat für den morgigen Montag eine eintägige Staatstrauer ausgerufen.

Die Maschine vom Typ Tupolew Tu-154 war zwei Minuten nach dem Start im südrussischen Sotschi um 3.25 Uhr (MEZ) vom Radar verschwunden. Die Absturzstelle befindet sich etwa 1,5 Kilometer vor der Küste. Vier Schiffe, fünf Hubschrauber und eine Drohne suchten nach Opfern und Wrackteilen.

Absturzursache unklar

Warum die Maschine abstürzte, ist noch unklar. Der Nachrichtenagentur Interfax zufolge hat das Flugzeug keinen Notruf abgesetzt. Der Kreml teilte mit, dass Putin eine staatliche Untersuchung des Unglücks angeordnet hat. Eine Abordnung des Militärs zur Aufklärung des Unglücks sei auf dem Weg in den Süden Russlands.

Die russische Nachrichtenagentur Ria berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, vorläufige Daten ließen auf einen technischen Defekt oder Fehler des Piloten schließen. Bei einem Flugmanöver im Steigflug könnte es ein technisches Problem gegeben haben, sagte ein nicht genannter Behördenvertreter der Agentur Interfax. Der Vorsitzende im Verteidigungsausschuss des russischen Föderationsrats, Viktor Oserow, sagte, es könne sich kaum um einen Terroranschlag handeln, denn das Flugzeug sei nur vom Militär genutzt worden. 

Konzert in Aleppo geplant

Die Tupolew Tu-154 war auf dem Weg nach Syrien, wo die Mitglieder des Alexandrow-Ensembles ein Konzert vor russischen Soldaten auf deren Luftwaffenbasis Hmeimim in der Provinz Latakia geben sollten. Nach Informationen der Nachrichtenseite Meduza sollte es auch einen Auftritt in Aleppo geben.

Syriens Präsident Baschar al-Assad kondolierte seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin. Er habe die Nachricht von dem Unglück mit großer Trauer aufgenommen, hieß es in einem Schreiben des Präsidenten. Sein Beileid gelte vor allem den Angehörigen der Opfer.

Das russische Verteidigungsministerium fliegt regelmäßig Musiker nach Syrien, um die dort stationierten Soldaten zu unterhalten. Anfang Mai hatte das Militär den Stardirigenten Waleri Gergijew und sein Orchester zu einem Konzert in die syrische Wüstenstadt Palmyra gebracht.

Von ihrem Stützpunkt Hmeimim fliegt die russische Luftwaffe Angriffe zur Unterstützung der syrischen Regierungstruppen. Russland kämpft wie auch Iran und eine Reihe von Milizen seit Herbst 2015 im Syrien-Krieg an der Seite des syrischen  Präsidenten Baschar al-Assad.

Zur Versorgung der Basis betreibt das Verteidigungsministerium einen regen Luftverkehr. Dabei werden auch alternde Zivilflugzeuge wie die Tupolew eingesetzt, ein dreimotoriges Verkehrsflugzeug aus Sowjet-Produktion. Nach heutigen Standards ist die Maschine zwar laut und braucht viel Treibstoff, gilt aber als wendig und zuverlässig. Die verunglückte Maschine wurde 1983 gebaut und 2014 repariert.

Chor der Roten Armee

Das Alexandrow-Ensemble, früher der Chor der Roten Armee, ist ein mehrfach ausgezeichneter Soldatenchor, der 1928 gegründet wurde und inzwischen das größte Militär-Künstlerensemble Russlands ist. Über die Jahrzehnte kam zu dem Chor ein Orchester und eine Tanzgruppe hinzu. Das Repertoire umfasst etwa 2.000 Werke, zu denen orthodoxe Kirchenlieder, russische Volkslieder, Märsche, aber auch Popmusik zählen. Die Sänger geben weltweit Gastspiele, in Berlin gastierten sie zuletzt 2015.

Gründer des Chors war Alexander Alexandrow, der 1943 die Nationalhymne der Sowjetunion komponierte. Alexandrow starb 1946 in Berlin bei einer Auslandstournee mit seinem Chor. Geleitet  wurde das Ensemble derzeit von Generalleutnant Waleri Chalilow, der – so wie 64 seiner Sänger, Tänzer und Musiker – an Bord der Unglücksmaschine war und starb.