Der UN-Sicherheitsrat wird am heutigen Sonntag über einen Resolutionsentwurf abstimmen, der die Entsendung von Beobachtern in die nordsyrische Stadt Aleppo vorsieht. Die Abstimmung solle trotz des Widerstands Russlands gegen den Resolutionsentwurf, der seit Freitagabend unter den 15 Ratsmitgliedern im Umlauf ist, stattfinden. Moskau ist ein Verbündeter des syrischen Machthabers Baschar al-Assad und verfügt über ein Vetorecht.

Laut dem von Frankreich eingebrachten Entwurf würde sich der Sicherheitsrat "alarmiert" über die sich immer weiter verschlechternde humanitäre Lage in Aleppo äußern. Der Text hält fest, dass "Zehntausende belagerter Einwohner von Aleppo" Hilfe brauchen und in Sicherheit gebracht werden müssen. Die Beobachter sollen den Abtransport von Zivilisten überwachen und ihren Schutz gewährleisten.

Unterdessen erreichten nach Angaben aus syrischen Regierungskreisen Busse die Gegend um die schiitischen Dörfer Fua und Kafraja und brachten rund 1.500 Verletzte, Frauen und Kinder in Sicherheit. Milizen aus dem Iran, die an der Seite der syrischen Armee kämpfen, hatten nach Angaben aus Regierungskreisen gefordert, dass im Gegenzug für die Evakuierung der Rebellengebiete Aleppos auch die Blockade dieser beiden Orte aufgehoben werden müsse.

Die Evakuierung der Rebellenhochburg Ost-Aleppo war am Freitag abgebrochen worden. Tausende Menschen, Zivilisten und Rebellen, warten dort seither auf eine Wiederaufnahme der ausgesetzten Evakuierungsmission. Eine neue Vereinbarung zwischen der syrischen Führung und den Rebellen, die die Evakuierung weiterer belagerter Orte mit einschließe, sei ausgemacht und werde bald umgesetzt, hieß es aus syrischen Regierungskreisen.

Neben der Evakuierungsmission in Ost-Aleppo soll auch die Belagerung zweier Städte nahe der libanesischen Grenze durch Regimeverbündete ausgesetzt werden, wie die Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.

Verantwortung der Nato

In einem Interview mit der Bild am Sonntag rechtfertigte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg die militärische Zurückhaltung des Bündnisses. Ein Militäreinsatz könnte zu einer weiteren Eskalation beitragen, sagte Stoltenberg der Zeitung. "Wir würden riskieren, dass es ein größerer regionaler Konflikt wird. Oder dass noch mehr Unschuldige sterben."

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kritisierte in der Zeitung das Vorgehen der russischen und syrischen Streitkräfte. "Weder das syrische Volk noch die Weltgemeinschaft werden die Gnadenlosigkeit von Aleppo je vergessen, die durch nichts zu rechtfertigen ist."