Zuwanderer haben eine große Bereitschaft, die deutschen Traditionen anzunehmen. 83 Prozent der Deutschen mit Migrationshintergrund und 76 Prozent der dauerhaft in Deutschland lebenden Ausländer gaben in einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) an, Zuwanderer sollten ihr Verhalten der deutschen Kultur anpassen. Den Erwerb der deutschen Sprache befürworten nahezu 100 Prozent. Drei Viertel der Migranten sprechen der Studie zufolge auch zu Hause überwiegend Deutsch.

Die Untersuchung der CDU-nahen Stiftung basiert auf einer repräsentativen Befragung, die bereits im Frühjahr 2015 durchgeführt wurde. Die Einstellungen von Flüchtlingen, die danach nach Deutschland kamen, sind nicht enthalten. Insgesamt wurden 1.004 Deutsche mit Migrationshintergrund und 1.009 dauerhaft in Deutschland lebende Ausländer befragt.

Deutsche mit Einwanderungsgeschichte und Ausländer ohne deutsche Staatsangehörigkeit fühlen sich den Ergebnissen zufolge in Deutschland grundsätzlich ebenso wohl wie Deutsche ohne Migrationshintergrund. Während Deutsche mit Migrationshintergrund zu 96 Prozent "alles in allem" gern in Deutschland leben, trifft das auf Deutsche ohne Migrationshintergrund laut KAS zu 97 Prozent und auf in der Bundesrepublik lebende Ausländer zu 95 Prozent zu.

"Integration dauert eine Weile"

Kaum Unterschiede existieren auch bei der Bewertung der Demokratie in Deutschland. In allen drei Gruppen sind um die 90 Prozent nach eigenen Angaben mit dieser zufrieden. Der Anteil der Deutschen mit Zuwanderungsgeschichte sowie der Ausländer, die mit der Demokratie "sehr zufrieden" sind, ist sogar signifikant höher als die der Deutschen ohne Migrationshintergrund. Während es bei diesen nur 22 Prozent sind, sind es bei den Deutschen mit Migrationsgeschichte 28 Prozent und bei den Ausländern sogar 38 Prozent.

Auffällig ist auch, dass der Staatsdienst bei türkischstämmigen Zuwanderern besonders beliebt ist. Ein Drittel von ihnen (32 Prozent) zieht eine Arbeit für die Bundesrepublik aktuell in Erwägung. Unter sämtlichen Deutschen mit Migrationshintergrund trifft das auf 18 Prozent zu, unter den Deutschen ohne Migrationshintergrund sind es sogar nur zehn Prozent.

Autorin Sabine Pokorny wertete die Ergebnisse der Untersuchung als Hinweise auf eine "recht gut ausgeprägte identifikative Integration" mit Deutschland. "Integration findet statt, sie dauert nur eben eine Weile", lautete eine ihrer Schlussfolgerungen. Allgemein sei zu beobachten, dass sich Zuwanderer umso besser integrierten, je länger sie hier lebten, sagte die Sozialexpertin. Die "emotionale Verbundenheit" mit dem Heimatland sinke, während die Identifikation mit Deutschland steige. Es solle von Migranten aber nicht verlangt werden, ihre "Herkunftsidentität" völlig aufzugeben.

"Selten mit Respekt behandelt"

Aus der KAS-Untersuchung ergeben sich auch Hinweise darauf, dass sich ein Teil der in Deutschland lebenden Muslime vor allem auch über Religionszugehörigkeit definiert. Demnach fühlten sich im Gesamtschnitt 56 Prozent von ihnen durch die Mohammed-Karikaturen in ihrem Glauben beleidigt. Der Effekt ist dabei umso stärker, je religiöser ein Mensch ist. Unter weniger religiösen Menschen waren es nur 25 Prozent, unter stark religiösen Menschen betrug der Anteil dagegen 68 Prozent.

Muslimische und türkischstämmige Zuwanderer fühlen sich außerdem deutlich häufiger respektlos behandelt als etwa polnisch- oder russischstämmige Zuwanderer oder Deutsche ohne Migrationshintergrund. 17 Prozent der Muslime und 18 Prozent der türkischstämmigen Menschen gaben bei der Befragung an, dass sie selten mit Respekt behandelt würden. Unter russischstämmigen Zuwanderern und Deutschen ohne Migrationshintergrund sind es nur fünf Prozent.

Amtlichen Statistiken zufolge hat etwa jeder fünfte Mensch in Deutschland (21 Prozent) eine Zuwanderungsgeschichte, das sind 17,1 Millionen Bürger. Davon stellen Menschen mit einer Herkunft aus der Türkei (16,7 Prozent), aus Polen (9,9 Prozent) und Russland (sieben Prozent) die größten Gruppen dar.