Der mutmaßliche Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri hat sich nach ZDF-Informationen längere Zeit und möglicherweise mehrfach in der Schweiz aufgehalten. Wie der Sender berichtete, werden Kontaktdaten, die nach dem Anschlag in Berlin auf Amris Handy gefunden worden waren, derzeit von den Schweizer Ermittlungsbehörden überprüft.

Dabei gehe es auch um die Frage, ob er sich die Tatwaffe – eine Pistole vom Typ Erma – in der Schweiz besorgt habe, wo es in einigen Städten eine rege Islamistenszene gebe. Nach bisherigem Ermittlungsstand spreche vieles dafür, sagten Ermittler dem Sender.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft hatte am Mittwoch mitgeteilt, sie habe im Zusammenhang mit dem Anschlag in Berlin ein Strafverfahren gegen unbekannt eröffnet. Es gehe um den Verdacht auf Unterstützung oder Beteiligung an einer kriminellen Organisation, sagte der zuständige Sprecher André Marty. Außerdem stehe ein Verstoß gegen das Verbot der Mitgliedschaft in einer Terrormiliz wie dem "Islamischen Staat" (IS) im Raum. Details nannte der Sprecher nicht.

Schon kurz nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz war wegen möglicher Verbindungen Amris in die Schweiz ermittelt worden. Der 24-jährige Tunesier hatte am 19. Dezember einen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gesteuert und zwölf Menschen getötet. Vier Tage später wurde er bei einer Polizeikontrolle in Italien erschossen.

Amri war den Sicherheitsbehörden in Deutschland bekannt. Er war als Gefährder eingestuft und wurde als hochmobil beschrieben. 14 Identitäten nutzte der Tunesier, der im Sommer 2015 nach Deutschland eingereist war. Von der Schweizer Bundespolizei sei er am 30. Juli 2016 kontrolliert worden – bei einer Routineuntersuchung an der Grenze, im Busbahnhof Friedrichshafen.

Laut ZDF fand die Polizei damals Betäubungsmittel und zwei italienische Pässe bei Amri. Er wurde damals vorläufig festgenommen und ein Strafverfahren wegen Urkundenfälschung und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet. Dazu wurde er in die Justizvollzugsanstalt Ravensburg gebracht und am 1. August wieder entlassen.

Mitbewohner meldete Amri den Behörden

Die Behörden in Nordrhein-Westfalen hatten laut einem Bericht der Zeitung Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung spätestens im Dezember 2015 Erkenntnisse darüber, dass Amri Kontakte zum IS hatte. Dies habe einer seiner Mitbewohner in der Asylunterkunft Emmerich der Ausländerbehörde im Kreis Kleve gemeldet. Die Anzeige sei sofort der zuständigen Staatsschutzdienststelle NRW zugleitet worden, schreibt die Zeitung. Am 3. Dezember 2015 sei der Kreis Kleve nach eigenen Angaben "informell telefonisch darauf hingewiesen worden, dass Herr Amri im Fokus der Sicherheitsbehörden steht".

Laut einem Bericht für die Sondersitzung des NRW-Innenausschusses am Donnerstag fanden die Ermittler drei Monate später heraus, dass sich Amri "vorgeblich im Auftrag von Allah töten" und sich in Berlin mit einem unbekannten Sympathisanten des IS treffen wolle. Bereits im Oktober 2015 hatte ein Zimmernachbar Amris gemeldet, dass dieser Handyfotos von schwarz gekleideten Personen mit Kalaschnikow besitze. Die Polizei erstellte damals einen "Prüffall Islamismus".