Ein Usbeke, der in der Nacht von Montag auf Dienstag in Istanbul festgenommen wurde, hat den Terroranschlag auf den Nachtclub Reina gestanden. Das bestätigte der Gouverneur Istanbuls Vasip Şahin am Dienstag. Demnach stimmten auch die Fingerabdrücke mit denen vom Tatort überein.

Bei dem Verhafteten handelt es sich nach Angaben des Gouverneurs um einen 34-Jährigen namens Abdulgadir Mascharipow. Şahin beschrieb ihn als "gut trainierten Terroristen". Demnach spreche er vier Sprachen und wurde in Afghanistan militärisch ausgebildet.

Mascharipow wurde bei einem nächtlichen Einsatz im Istanbuler Stadtteil Esenyurt gefasst. Zusammen mit Mascharipow wurden drei Frauen aus Ägypten, Senegal und Somalia festgenommen sowie ein Iraker, in dessen Wohnung der Tatverdächtige lebte. An dem Einsatz waren etwa 2.000 Polizisten sowie Mitarbeiter des türkischen Geheimdiensts MIT beteiligt. Nach dem Attentat vor gut zwei Wochen sind nach Angaben des Gouverneurs mehr als 150 Adressen durchsucht und 50 Verdächtige festgenommen worden. 7.200 Stunden Aufnahmen von Überwachungskameras wurden ausgewertet.

Attentäter habe für Geld gemordet

Laut Şahin hat die Polizei bei dem mutmaßlichen Attentäter 197.000 Dollar und zwei Pistolen sichergestellt. Der Tatverdächtige soll den Decknamen Ebu Muhammed Horasani Abdulkavi benutzt haben. Es werde vermutet, dass er im Januar 2016 über die Ostgrenze des Landes in die Türkei eingereist sei und sich dort illegal aufgehalten habe.

Den Anschlag auf den Nachtclub am Bosporus mit 39 Toten hatte der "Islamische Staat" (IS) für sich reklamiert. Es war das erste Mal, dass sich die Extremistengruppe zu einem großen Anschlag in der Türkei bekannte, auch wenn ihr bereits mehrere Attentate zugeschrieben worden sind. Es ist auch sehr selten, dass ein mutmaßlicher IS-Attentäter lebend gefasst wird.

Terroranschläge in der Türkei

  • 5. Januar 2017

    Mindestens 11 Menschen wurden bei einer Explosion vor dem Gerichtsgebäude in Izmir verletzt, darunter auch Polizisten. Hinter dem Anschlag wird die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK vermutet.

  • 1. Januar 2017

    Während eines Anschlags auf den Istanbuler Nachtclub Reina werden mindestens 39 Menschen getötet, darunter 16 Ausländer.

  • 19. Dezember 2016

    Der russische Botschafter Andrej Karlow wird in Ankara von einem türkischen Polizisten niedergeschossen. Die Regierung verdächtigt die Gülen-Bewegung, hinter dem Attentat zu stecken.

  • 17. Dezember 2016

    In der zentraltürkischen Stadt Kayseri sterben durch einen Selbstmordanschlag mindestens 13 Soldaten. Der Attentäter hatte eine Autobombe neben einem Bus mit Militärangehörigen gezündet. Auch hierzu bekennt sich die TAK.

  • 10. Dezember 2016

    Nach einem Fußballspiel im zentralen Istanbuler Stadtteil Beşiktaş töten zwei Selbstmordattentäter der TAK 45 Menschen, die meisten von ihnen Polizisten.

  • 4. November 2016

    Vor dem Polizeihauptquartier in Diyarbakır werden neun Menschen getötet. Die Regierung macht die PKK verantwortlich, doch es bekennt sich der IS. Auch die TAK reklamiert die Tat für sich. Zu der Explosion war es kurz nach den Festnahmen von zwölf Abgeordneten der prokurdischen HDP gekommen.

  • 9. Oktober 2016

    In der südosttürkischen Provinz Hakkâri bringt ein Attentäter einen mit Sprengstoff beladenen Kleinlaster vor einem Kontrollposten der Gendarmerie zur Explosion. Bei dem Selbstmordanschlag der PKK sterben 18 Menschen.

  • 26. September 2016

    Bei drei Anschlägen der PKK im Südosten des Landes werden insgesamt 17 Menschen getötet, 14 weitere verletzt. Ziel der Angriffe mit Sprengfallen und Bomben waren türkische Soldaten.

  • 12. September 2016

    Eine Autobombe explodiert vor der Zentrale der Regierungspartei AKP in Van. 48 Menschen werden verletzt. Die Regierung macht die PKK verantwortlich.

  • 26. August 2016

    Ein PKK-Attentäter sprengt sich vor dem Polizeipräsidium in Cizre im kurdischen Südosten der Türkei in die Luft und reißt elf Polizisten in den Tod.

  • 17. August 2016

    Durch eine Anschlagserie der PKK auf Sicherheitskräfte im Südosten des Landes werden mindestens 9 Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt.

  • 20. Juli 2016

    Ein IS-Attentäter tötet auf einer kurdischen Hochzeitsgesellschaft in Gaziantep im Südosten der Türkei 57 Menschen, darunter 34 Kinder.

  • 28. Juni 2016

    Durch einen dreifachen Selbstmordanschlag auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen werden 48 Menschen getötet und mehr als 200 Menschen verletzt. Die Regierung macht den IS verantwortlich.

  • 8. Juni 2016

    Die Explosion einer Autobombe tötet vier Menschen vor einem Polizeirevier in Midyat im Südosten der Türkei, 30 weitere werden verletzt. Zu der Tat bekennt sich die PKK.

  • 7. Juni 2016

    Durch einen Bombenanschlag werden im historischen Zentrum Istanbuls elf Menschen getötet, darunter sieben Polizisten. Zu dem Anschlag bekennt sich die TAK.

  • 19. März 2016

    Auf der beliebten İstiklâl-Einkaufsstraße im Zentrum von Istanbul reißt ein Selbstmordattentäter vier ausländische Touristen – drei Israelis und einen Iraner – mit in den Tod. Die Behörden vermuten den IS hinter der Tat.

  • 13. März 2016

    Mindestens 34 Menschen werden bei der Explosion einer Autobombe im Zentrum von Ankara getötet, Dutzende verletzt. Auch dazu bekennt sich die TAK.

  • 17. Februar 2016

    Bei einem Anschlag mit einer Autobombe auf einen Militärkonvoi in der Hauptstadt Ankara werden 28 Menschen getötet. Eine radikale Splittergruppe der kurdischen PKK bekennt sich zu dem Anschlag: Die Freiheitsfalken Kurdistans, kurz TAK.

  • 12. Januar 2016

    Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Touristengruppe im Zentrum Istanbuls werden zwölf Deutsche getötet. Die Regierung gibt dem IS die Schuld für den Anschlag vor der Blauen Moschee.

  • 10. Oktober 2015

    Während einer Friedenskundgebung vor dem Hauptbahnhof in Ankara reißen zwei Selbstmordattentäter des IS 103 Menschen in den Tod. Mehr als 500 Menschen werden verletzt.

  • 8. September 2015

    Ein Minibus mit Polizisten wird von PKK-Kämpfern mit einem Sprengstoffanschlag angegriffen. Es sterben 14 Polizisten, zwei werden verletzt

  • 6. September 2015

    Kurdische Rebellen verüben zwischen Dağlıca und Yüksekova einen Sprengstoffanschlag auf einen Konvoi des türkischen Militärs. 16 Soldaten werden getötet und sechs weitere verletzt.

  • 10. August 2015

    Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in Istanbul werden drei Menschen getötet, ein Polizist und zwei Angreifer.

  • 20. Juli 2015

    34 Menschen werden bei einem Anschlag auf junge kurdische Aktivisten in Suruç an der Grenze zu Syrien getötet. Die Regierung macht die Terrorgruppe "Islamischer Staat" für die Tat verantwortlich.

Türkischen Medienberichten zufolge wurde Mascharipow bereits seit drei Tagen observiert, doch hätten die Sicherheitskräfte mit dem Zugriff abgewartet, um mögliche Komplizen zu identifizieren. Der Attentäter soll zuvor für den IS in Syrien gekämpft haben und bei dem Anschlag, bei dem vor allem Araber getötet wurden, sehr professionell vorgegangen sein.

Vizeministerpräsident Numan Kurtulmuş hatte am Montag gesagt, er gehe von einer Verwicklung eines ausländischen Geheimdiensts aus. Aus Sicherheitskreisen hieß es, der Attentäter habe für Geld gemordet – und nicht aus ideologischen Gründen. Bei einem Polizeieinsatz im Istanbuler Stadtteil Silivri wurden am Sonntag 150.000 Dollar in einer Wohnung gefunden, die angeblich für Mascharipow vorgesehen waren.

Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu bedankte sich am Dienstag "im Namen der Nation" bei Polizei und Innenministerium für den Fahndungserfolg. Ministerpräsident Binali Yıldırım sprach von einer "wichtigen Entwicklung". "Was zählt, ist die Festnahme des Verantwortlichen dieses abscheulichen Angriffs und die Aufdeckung der Mächte hinter ihm", sagte Yıldırım.