Mutmaßliche Terroristen haben während des Abendgebets eine Moschee in der kanadischen Ostküstenmetropole Québec gestürmt und mehrere Menschen erschossen. Sechs Menschen starben, acht weitere wurden verletzt, bestätigte die Polizei. Die Toten seien zwischen 35 und 70 Jahre alt, sagte eine Sprecherin. Mittlerweile sei die Lage unter Kontrolle.

Augenzeugen berichteten dem Rundfunksender CBC, zwei Männer hätten am Sonntag nach dem Abendgebet das Feuer auf die Gläubigen eröffnet. Zu dem Zeitpunkt hielten sich nach Angaben der Polizei 39 Menschen in dem islamischen Kulturzentrum auf, das auch als Große Moschee bekannt ist.  

Sicherheitskräfte waren am Sonntagabend mit einem Großaufgebot angerückt, hatten die Umgebung gesichert und anliegende Gebäude evakuiert. Zwei Verdächtige seien festgenommen worden. Einer von ihnen wurde einige Kilometer außerhalb Québecs gefasst.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau nannte die Tat einen "feigen Angriff" und sprach den Angehörigen der Toten sein Beileid aus. "Wir verurteilen dieses terroristische Attentat auf Muslime in einem Gotteshaus", sagte Trudeau. Es sei herzzerreißend, solch sinnlose Gewalt zu sehen.

Muslimische Kanadier seien ein wichtiger Teil der Gesellschaft, sagte Trudeau. "Vielfalt ist unsere Stärke." Der kanadische Premier war wegen seiner Politik immer wieder von rechten Gruppen kritisiert worden. Am Samstag hatte er als Reaktion auf das von US-Präsident Donald Trump verhängte Einreiseverbot gegen Bürger mehrerer muslimischer Länder den Willen seines Landes bekräftigt, weiterhin Flüchtlinge aufzunehmen – unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit.

Provinz-Regierungschef Couillard rief zum geschlossenen Einsatz gegen jegliche Gewalt und zur Solidarität mit Muslimen auf. Der Bürgermeister der Hauptstadt Ottawa ordnete eine verstärkte Polizeipräsenz rund um örtliche Moscheen an. Auch in New York kündigte die Polizei an, Patrouillen an Moscheen und während anderer Gebetsstunden in der Stadt zu verstärken.

"Es ist entsetzlich", sagte der Moschee-Vorsitzende Mohammed Yangui. "Diese Menschen kommen jeden Tag friedlich zum Beten, aber jetzt werden einige von ihnen nie wieder vom Gebet nach Hause zurückkehren. Ich bin schockiert, mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, was ich fühle. Yangui sagte auch, seine Moschee sei in der Vergangenheit schon mehrfach Ziel von Angriffen gewesen. Neben Wandschmierereien sei einmal ein abgetrennter Schweinekopf vor der Moschee abgelegt worden.

Islamfeindliche Gruppen distanzieren sich von Attentat

Nationalistische und islamfeindliche Organisationen verurteilten den Angriff auf die Moschee: "Gewalt ist für uns keine Lösung", teilte die Gruppierung Fédération des Québécois de souche (FQS) in der Nacht zum Montag mit. Die Organisation Atalante Québec schloss sich der Erklärung an. Beide Gruppen verurteilten den Anschlag und erklärten, nur "tief gestörte Personen" könnten eine solche Tat begehen.

Die Vereinigung FQS, die sich selbst als nationalistisch einstuft, warnt vor einer "Islamisierung" und fordert einen vollständigen Einwanderungstopp. Atalanta Québec setzt sich für eine "identitäre Wiedergeburt Québecs" ein. Auch die islamfeindliche Vereinigung La Meute verurteilte am Montag "jegliche Gewaltanwendung".

In Kanada wächst die Zahl muslimischer Einwanderer insbesondere aus den Ländern Nordafrikas. Dies führt immer wieder zu Konflikten in dem säkularen Land. In Kanada kam es in den vergangenen Jahren wiederholt zu islamfeindlichen Vorfällen. So wurde 2015 in Ontario einen Tag nach den Anschlägen in Paris eine Moschee in Brand gesetzt.