Sieben Monate nach dem Massaker in dem bei Homosexuellen beliebten Nachtclub Pulse ist Noor S., die Ehefrau des Attentäters, wegen Terrorvorwürfen und Behinderung der Justiz angeklagt worden. Die Anklage wurde am Dienstag vor einem Gericht im kalifornischen Oakland verlesen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Der 30-Jährigen wird vorgeworfen, ihren Mann Omar Mateen dazu ermuntert und ihm dabei geholfen zu haben, die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) erheblich zu unterstützen. Medienberichten zufolge soll sie ihn mindestens einmal zu dem Nachtclub begleitet und ein anderes Mal mit ihm Munition gekauft haben. Außerdem soll S. die Polizei im Bundesstaat Florida und die US-Bundespolizei FBI bei den Ermittlungen in die Irre geführt haben. Bei einer Verurteilung droht ihr eine lebenslange Haftstrafe.

Der Attentäter hatte während der Tat in Orlando den Notruf gewählt und sich zum IS-Gefolgsmann erklärt. Er tötete 49 Menschen und verletzte 53 weitere, bevor er von einer Spezialeinheit erschossen wurde. Ermittlern zufolge hatte er sich durch dschihadistische Propaganda im Internet radikalisiert.

Seine Witwe wurde anschließend eingehend befragt, zunächst jedoch nicht belangt. Sie zog von Florida nach Kalifornien, wo sie im Ort Rodeo nordöstlich von San Francisco festgenommen wurde. Warum sie sich dort aufhielt und ob sie ihren vierjährigen Sohn dabei hatte, ist unklar.

Der Fall soll an die Behörden in Florida übergeben werden. Diese hatten bereits vergangene Woche beantragt, das Vermögen der Frau zu beschlagnahmen.

Verteidigerin und Onkel bezweifeln Mitwisserschaft

"Sie wusste, dass er den Anschlag ausführen würde", sagte Staatsanwalt Roger Handberg bei der ersten Gerichtsanhörung in Oakland, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. S. äußerte sich in dem 15-minütigen Gerichtstermin nicht. Ihre Verteidigerin teilte dem Nachrichtensender CNN mit, S. habe nichts von den Plänen ihres Mannes gewusst. Ihr Onkel Al Salman beharrte vor dem Gerichtsgebäude ebenfalls auf ihrer Unschuld: Sie könne "keiner Fliege etwas zuleide tun", sei von Mateen körperlich und seelisch misshandelt worden und nur bei ihm geblieben, weil sie ein Verlust des Sorgerechts gefürchtet habe.

Die Angeklagte wurde am Dienstag zunächst von einem Pflichtverteidiger vertreten. Um ihr die Möglichkeit zu geben, sich von einem eigenen Anwalt verteidigen zu lassen, wurde für Mittwoch eine weitere Gerichtsanhörung angesetzt.