Der rechtsextreme Blogger Milo Yiannopoulos zieht Konsequenzen aus seinen umstrittenen Äußerungen zu Sex mit Kindern und verlässt die ultrarechte Internetseite Breitbart. "Es wäre falsch, durch meine schlechte Wortwahl von der wichtigen Berichterstattung meiner Kollegen abzulenken. Deshalb verlasse ich 'Breitbart' mit sofortiger Wirkung", kündigte er vor Journalisten in New York an. Die Entscheidung habe er selbst getroffen.

Zuvor hatte der Anhänger von US-Präsident Donald Trump den Zorn konservativer Kreise auf sich gezogen. Über Twitter wurde am Wochenende ein Video verbreitet, in dem der selbst ernannte "Fundamentalist der Redefreiheit", der seine Homosexualität offensiv zur Schau stellt, den Sex von Männern mit 13-jährigen Kindern verteidigt hatte. Die "willkürliche und unterdrückende Idee von Einvernehmlichkeit" sei das eigentliche Problem, sagte Yiannopoulos in einem Interview mit dem Podcast Drunken Peasants aus dem Jahr 2016. "Wir sind besessen von Missbrauch, wir sind besessen von diesem Kindesmissbrauchszeug." In einer homosexuellen Welt könne es 13-jährige Jungen helfen, zu sich selbst zu finden, wenn sie mit älteren Herren sexuelle Erfahrungen sammeln können.

Als Konsequenz hatte zunächst die Amerikanische Konservative Union die Einladung Yiannopoulos für eine Konferenz zurückgezogen. Der Vertreter dieser bekannten Lobby-Organisation der US-Konservativen, Matt Schlapp, begründete den Schritt ausdrücklich mit den Äußerungen des 33-Jährigen. Zuvor hatte bereits der Verlag Simon & Schuster ein Buchprojekt mit Yiannopoulos gestoppt.

Der Autor selbst veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite eine Erklärung, in der er sich selbst als Opfer von Kindesmissbrauch bezeichnete und Missbrauch verurteilte. Die Äußerungen zur Pädophilie nannte der Brite "meine übliche Mischung aus britischem Sarkasmus, Provokation und Galgenhumor". Er selbst sei ein Opfer von Kindesmissbrauch und habe große Teile seiner Karriere darauf verwendet, Kinderschänder bloßzustellen. Wenn er schuldig sei, dann "sicherlich der unpräzisen Sprache". Dies bedauere er.

Seit 2015 tourt Yiannopoulos unter dem Motto "Dangerous Faggot" – "gefährliche Schwuchtel" durch die USA und hat Auftritte in diversen Universitäten. Anfang Februar wollte er auch an der Universität Berkeley im Bundesstaat Kalifornien auftreten. Nach heftigen Protesten wurde dieser Auftritt aber abgesagt. Hunderte Demonstranten hatten sich auf dem Campusgelände versammelt, einige warfen Scheiben ein, setzten Holzpaletten in Brand und schleuderten Steine auf Polizisten. Diese erschienen in voller Kampfmontur und setzten Tränengas gegen die Studenten ein. Nach den Protesten drohte US-Präsident Donald Trump via Twitter damit, der Universität Bundesmittel zu kürzen, wenn diese die Meinungsfreiheit nicht zulasse und "Gewalt gegen unschuldige Menschen mit einem anderen Standpunkt ausübe".

Aktivismus für Trump

Trumps Interesse an Yiannopoulos dürfte auch durch seinen Chefberater Steve Bannon geschürt worden sein. Bevor er mit Trump ins Weiße Haus zog, war dieser Chefredakteur des Breitbart-Portals, wo er auch auf Yiannopoulos aufmerksam wurde und ihn schließlich als Redakteur anstellte.

Im Oktober 2016 sorgte der 33-Jährige dann für Aufsehen, als er in eine mit Schweineblut gefüllte Badewanne in einer New Yorker Galerie stieg. Yiannopoulos trug dabei nur eine Kappe mit dem Schriftzug "Make Amerika Great Again" – dem Slogan, mit dem Trump für Wählerstimmen geworben hatte. Hinter der Badewanne hingen Bilder von Menschen, die von illegalen Einwanderern oder islamischen Terroristen getötet worden waren. Heute ist Yiannopoulos das popkulturelle Gesicht der Ultrarechten in den USA und hetzt regelmäßig gegen Frauen, Liberale, Eliten oder die Bewegung Black Lives Matter.