Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) sieht eine stark zunehmende Zahl von gewaltbereiten Islamisten in Deutschland. "Wir zählen inzwischen 1.600 Personen zum islamistisch-terroristischen Personenpotenzial", sagte BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen auf dem Europäischen Polizeikongress in Berlin. Ende Dezember hatte der Verfassungsschutz noch rund 1.200 solcher Personen ausgemacht. 

"Wir müssen anerkennen, dass wir in einer Lage leben, und nicht mehr in einem Normalzustand", sagte Maaßen. "Wir erhalten täglich zwei, manchmal sogar vier konkrete Hinweise auf Tatbegehungen in Deutschland." Allein über die Hotline seiner Behörde seien 2016 insgesamt 1.104 Hinweise zu möglichen Anschlagsplanungen oder Terrorverdächtigen eingegangen – 2015 seien es noch 520 gewesen. Maaßen begründete die starke Zunahme auch mit der Presseberichterstattung, durch die die Bürger aufmerksamer geworden seien.

Zugleich warnte Maaßen vor einer zunehmenden Radikalisierung möglicher Attentäter im Internet. Es gebe eine Reihe von Fällen, in denen die Radikalisierung in sozialen Netzwerken begonnen und in WhatsApp-Gruppen fortgesetzt worden sei. Im Internet etablierten sich etwa "islamistische Moscheegemeinden", von denen man in der realen Welt allenfalls etwas mitbekomme, wenn Menschen ihr Verhalten änderten. "Man bekommt aber nicht mit, wer zu dieser Gruppe gehört", sagte Maaßen. Dies gelte auch für die Hintermänner islamistischer Anschläge, bei denen die Attentäter durch einen Mentor via Internet regelrecht "gecoacht" würden. Die Weisungen erfolgten dabei noch bis kurz vor der Tat.

Dabei verfügten manche Attentäter über gute Kenntnisse im Umgang mit Waffen, sagte Maaßen. Dies gelte vor allem für Kommandos aus dem Ausland, die nach Deutschland kämen, um einen Anschlag zu verüben. Oft kämen die Täter aus Syrien und verfügten über Erfahrung im Kampf und in der Herstellung von Sprengsätzen. "Terrorkommandos bestehen aus Personen, die im Zweifel wesentlich professioneller mit einer Kalaschnikow umzugehen wissen als Schutzpolizisten hier in Berlin."