ZEIT ONLINE: Imame, die Gemeindemitglieder und Lehrer bespitzeln, antisemitische Hetze auf Facebookseiten – ist Ditib, der größte Islamverband in Deutschland, noch tragbar als Kooperationspartner für den islamischen Religionsunterricht an staatlichen Schulen?

Susanne Schröter: Nein, angesichts der Skandale, die sich Ditib geleistet hat, kann man so nicht weitermachen. Die Organisation verkommt zu einem verlängerten Arm des türkischen Präsidenten Erdoğan. Durch sie kann eine islamistische AKP-Ideologie weitergereicht werden, bis in die Klassenzimmer hinein. Das gilt vor allem für Hessen, dort wurde Ditib bereits 2013 als Partner bei der Einführung des islamischen Religionsunterrichts anerkannt und hat einen größeren Einfluss als in anderen Bundesländern.

ZEIT ONLINE: Aber der Unterricht steht doch unter staatlicher Schulaufsicht?

Schröter: Die kommt einmal im Jahr, und das nach Voranmeldung. Was soll man da schon kontrollieren.

ZEIT ONLINE: Bislang gab es aber keine Vorfälle, heißt es aus dem Schulministerium.

Schröter: Das ist wohl wahr. Aber bislang sind die meisten Lehrer auch keine Ditib-Mitglieder. Um den Religionsunterricht in Hessen schnell einführen zu können, wurden bereits verbeamtete Lehrer entsprechend weitergebildet. Das wird sich ändern. Unter den Bewerbern, die jetzt aus den Islamstudiengängen nachrücken, werden viele Ditib-Anhänger sein. Der Verband wünscht sich ja ausdrücklich aktive Gemeindemitglieder als Islamlehrer – und er entscheidet über die Auswahl. Da habe ich doch große Bedenken, dass eine AKP-nahe Ideologie in die Schule gelangt.

ZEIT ONLINE: Die Lehrpläne wurden in Zusammenarbeit mit Ditib an den Universitäten Gießen und Frankfurt entwickelt und vom hessischen Kultusministerium freigegeben. Wo ist da das Risiko?

Schröter: So ein Curriculum ist ein weit gesteckter Rahmen. Was dann tatsächlich gelehrt wird, ist eine andere Sache, da bleiben den Lehrern schon Spielräume.

ZEIT ONLINE: Die Anbindung Ditibs an die Türkei, an das dortige Religionsministerium, ist schon seit Langem bekannt. Es ist auch in der Satzung nachzulesen. In den entscheidenden Gremien sitzen türkische Beamte mit am Tisch. Warum hat das bislang niemanden gestört?

Schröter: Weil der türkische Staatsislam lange als besonders moderat galt. Aber das ist nicht mehr so. Erdoğan hat das im Zeitraffer geändert.