Im Fall des bei einer Razzia in Hessen festgenommenen Terrorverdächtigen stand nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ein Anschlag nicht unmittelbar bevor. Nach bisherigen Erkenntnissen habe es auch noch kein konkretes Ziel gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Alexander Badle. Der 36 Jahre alte Tunesier werde unter anderem auch wegen des Anschlags auf das Bardo-Museum in Tunis gesucht. Bei der Attacke im März 2015 waren 21 Menschen getötet worden. Zu dem Anschlag hatte sich der "Islamische Staat" (IS) bekannt.

Der Mann war am Mittwochmorgen bei einer landesweiten Antiterroraktion in Frankfurt festgenommen worden. Er habe keinen Widerstand geleistet, sagte Badle. Ihm wird in Deutschland die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vorgeworfen. Er soll die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) als Anwerber und Schleuser unterstützt haben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft saß der Tunesier wegen des Angriffs auf das Bardo-Museum zwischenzeitlich in Deutschland in Auslieferungshaft. Er soll auch an einem Angriff auf die tunesische Grenzstadt Ben Gardane im März 2016 beteiligt gewesen sein. Weil die tunesischen Behörden bis zum Ende der Frist nicht die vollständigen Unterlagen vorgelegt hätten, sei der Mann am 4. November 2016 aus der Haft entlassen worden und von da an bis zu seiner Festnahme rund um die Uhr observiert worden.

Im Zuge der Aktion hatte die Polizei in Hessen mehr als 50 Gebäude durchsucht. Nach Angaben des hessischen Landeskriminalamts wurden 54 Wohnungen, Geschäftsräume und Moscheen in ganz Hessen durchsucht, unter anderem in Frankfurt, Offenbach, Darmstadt und Wiesbaden. Die Ermittlungen sollen sich gegen 16 Beschuldigte zwischen 16 und 46 Jahren richten.